11. Oktober 2019
Denys Sokolow

Das ganze Gerede von Umweltschutz, Klimawandel, Friday-for-Future, CO2-Verschmutzung oder Nachhaltigkeit bringt nur dann etwas, wenn man auch Taten folgen lässt und die guten Vorsätze in die Realität umsetzt. Wenn man dabei das Gute mit dem Nützlichen oder Gesunden verbinden will, dann steigt man zum Beispiel aufs Fahrrad, um bereits morgens seinen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten und das Auto stehen zu lassen. Gleichzeitig tut man der eigenen Gesundheit Gutes und kann auch den „inneren Schweinhund“ wunderbar überwinden, der einen ansonsten bei jeder Gelegenheit von den guten Vorsätzen abbringen will.

Die Kampagne einer großen Krankenkasse und die Initiative vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club e.V.) versuchen bereits seit Längerem, die Menschen für das Fahrrad, den „Drahtesel“ zu begeistern. Unter dem Motto „Mit dem Fahrrad zur Arbeit“ versuchen die Initiatoren seit mehr als 17 Jahren die Radfahrer unter uns zu motivieren und Nicht-Radler neu zu begeistern. Schließlich hat das Radfahren auch eine präventive Wirkung, um grundsätzlich gegen Krankheiten vorzubeugen und den Körper gesünder zu halten. Die Bemühungen der Krankenkasse um mehr Bereitschaft zum Radeln und zur sportlichen Betätigung kann man dabei gut verstehen, sind es doch besonders die unsportlichen, oft übergewichtigen und faulen Versicherten, die den Kassen ab einem bestimmten Alter wegen vieler Krankheiten, die verhindert werden könnten, finanziell zur Last fallen.

Mit der Einführung der E-Tretroller im Sommer dieses Jahres gab es zwar eine umweltschonende Alternative zum Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln, aber der körperliche Beitrag der Nutzer fällt dabei völlig weg, allenfalls beim Hochschleppen der Roller in Wohnung oder Büro kann man ein paar Kalorien verbrennen, die aber kaum „ins Gewicht fallen“. Besser ist es, sich ein Fahrrad zu schnappen und loszuradeln. Erst einmal aus Spaß an der Freude, dann vielleicht mit System, um das Notwendige mit dem Nützlichen effektiv zu verbinden und auch weitere Strecken zur Arbeit zurückzulegen. Denn laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) reichen etwa 30 Minuten pro Tag viermal pro Woche aus, um Krankheiten vorzubeugen. Dazu zählen die bekannten Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme oder Diabetes. Laut eines Forschungsergebnisses der Goethe-Universität Frankfurt sind diejenigen weniger krank, die radeln.

Jeder kennt das, wenn man mal nicht gut drauf ist, oder ein paar Probleme mit sich herumschleppt. Darunter leidet die gute Stimmung und die positive Ausstrahlung, die man als ausgeglichener Mensch auf andere hat. Beim Fahrradfahren aber, genau wie bei anderen Sportarten, schüttet das Gehirn das sogenannte Serotonin und Endorphine aus. Diese Glückshormone heben die Stimmung und helfen gegen Depressionen. In Verbindung mit Sonne und frischer Luft ist die Wirkung noch stärker. Auch das Vitamin D, welches so vom Körper aufgenommen wird (in Verbindung mit frischer Luft, Sonne und Sport) stärkt Knochen und Muskeln. Wer also sportlich ne Niete ist, der verpasst viele gute Nebenwirkungen. Auch Gelenke und der Rücken sind dankbare Empfänger sportlicher Aktivitäten, besonders beim Radfahren, weil dabei das Gewicht auf Lenker und Sattel verteilt wird. Durch das Treten in die Pedale produziert der Körper „Gelenkschmiere“, die als flüssiger Film die Spalten zwischen den Knochen ausfüllt. Einzelne Wirbelkörper und die Bandscheibe werden außerdem geschont, weil Radfahren nachgewiesenermaßen rückenschonend ist.

Wussten Sie eigentlich, dass Radfahren auch den Geldbeutel schont? Man zahlt keine Fahrkarten oder Benzinkosten und darüber hinaus kann man Fahrradfahren steuerlich absetzen. Wie beim PKW kann man als Radler die Entfernungspauschale zwischen Wohnung und Arbeitsplatz nutzen, und 30 Cent pro Kilometer Fahrstrecke sich zurückerstatten lassen. Einerseits verbessert man die Ökobilanz und andererseits die eigenen Finanzen. Ist doch prächtig! Im Übrigen gibt es Messungen vom ADAC, die besagen, dass Radler im Durchschnitt schneller am Ziel sind, weil sie weder im Stau stehen, noch Zeit durch Umsteigen oder Warten verlieren. Die zeitaufwendige Parkplatzsuche entfällt ebenfalls, so dass es sich lohnt öfter mal das Rad zu nehmen.

Na ja, und die große Klimadebatte kann ein Radfahrer auch mit einem Lächeln für sich beantworten: Radfahrer helfen, Kohlenstoffdioxid, kurz CO2, das als Klimagift gilt, zu reduzieren. Das ist deshalb so wichtig, weil laut EU-Angaben jährlich etwa 400.000 Menschen im EU-Raum an den Folgen der Luftverschmutzung sterben. Beispielrechnungen zeigen, dass derjenige, der täglich 12 Kilometer mit dem Rad fährt statt mit dem Auto, rund 1 Kilo CO2 weniger produziert. Im Jahr lassen sich so durchschnittlich 200 Kilo davon einsparen. Allein im Rahmen der Fahrrad-Aktion der Krankenkasse konnten so im Jahr 2018 etwa 9.739.969,26 Kilogramm CO2 eingespart werden. Wenn man also diese Zahl durch viele, viele Mehr-Radfahrer potenzieren könnte, kann sich jeder vorstellen, wie hoch der Beitrag für die eigene Gesundheit und zum Klimaschutz aussehen könnte.