14. August 2019
Anastasia Bergstern

Der Goldpreis ist explodiert. Immer wieder gab es in den letzten Monaten Hinweise von Goldexperten wie Herbert Behr, Inhaber der Görlitzer Golden Gates Edelmetalle GmbH, die Goldkäufe dringend empfahlen. Denn die Experten konnten einschätzen, dass der Goldpreis steigen wird. Indikatoren dafür gab es genügend. Wer demnach am Jahresanfang auf Gold gesetzt hat, konnte bis heute ein kleines Vermögen machen.

Und die Edelmetallhändler rechnen mittelfristig mit weiter steigenden Goldpreisen. Preistreiber ist eine enorm gestiegene Nachfrage nach dem gelben Edelmetall. Die Lobbyorganisation World Gold Council berichtet für das zweite Quartal 2019 von einem Anstieg um 8,1 Prozent auf 1.123 Tonnen, im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal. Die bedeutendsten Käufer waren dabei die internationalen Notenbanken. Mit einer Aufstockung ihrer Bestände um 224,4 Tonnen hatten sie einen entscheidenden Beitrag zum Preisanstieg geleistet. Zum Vergleich: Vor einem Jahr, im zweiten Quartal 2018, hatten sich die Nettogoldkäufe sämtlicher Notenbanken noch auf 152,8 Tonnen beschränkt.

Die Preissprünge der vergangenen Wochen scheinen dabei nur der Anfang zu sein. Auch private Investoren zeigen weiterhin hohes Interesse an Gold: So kletterte der Preis weiter und notierte zuletzt bei 1505 Dollar je Feinunze. Gold konnte damit die Marke von 1500 Dollar je Unze (31,1 Gramm) verteidigen. Die war während der vergangenen Woche erstmals seit 2013 gerissen worden. Bereits im vergangenen Vierteljahr hatte der Goldpreis mit einem Plus von 17 Prozent eine beeindruckende Rallye hingelegt.

Weitere Ursachen für diesen Höhenflug dürften zum ersten die verschiedenen Altkrisen ohne absehbare Lösungsperspektive sein. Die Handels-, Zoll- und Währungskonflikte, der Brexit, die Iran-Krise oder der von Russland initiierte Russland/Ukraine-Konflikt treiben Anlegern zusätzlich Sorgenfalten ins Gesicht. Als Reaktion darauf entscheiden sich viele Investoren für Gold- oder Edelmetallkäufe. Derzeit ist in keiner dieser Krisen zeitnah mit einer veränderten Lage zu rechnen. Für weitere Unsicherheit bürgt zum zweiten die aktuelle Entwicklung in Hongkong. Hinzu gesellt sich der gestrige Crash (12.8.19) der argentinischen Landeswährung Peso und des Aktienmarktes in dem 44-Millionen-Einwohner-Land. Nach dem überraschenden Sieg des linken Politikers Alberto Fernández bei den Vorwahlen büßte der argentinische Börsenindex Merval zum Wochenbeginn fast 28 Prozent an Wert ein. Daraufhin verstärkten auch US-Investoren ihre Goldvorräte. Beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares zeigte sich dies in kräftigen Kapitalzuflüssen. Zum Wochenauftakt stieg deren gehaltene Goldmenge von 839,85 auf 847,77 Tonnen an: den höchsten Stand seit Mai 2018.

John Mulligan, Chefanalyst des World Gold Council, bemerkte zu dem enorm gewachsenen Interesse an dem Edelmetall: „Viele Zentralbanken haben in der Finanzkrise erkannt, wie anfällig ihre Währung bei globalen Problemen ist.“ Höhere Goldbestände sollen dabei die Währungsreserven der Zentralbanken unabhängiger vom Dollar machen.

Außer Notenbanken haben auch spekulativ orientierte Finanzinvestoren das goldgelbe Edelmetall für sich entdeckt. Starke Investments flossen während der vergangenen Tage in physisch gedeckte Gold-Indexfonds (ETFs), wie sie der Görlitzer Goldhändler Golden Gates anbietet. Eine Entscheidung für diese Investments hat die Investoren bis dato kräftig belohnt und hohe Zugewinne abgeworfen. Bei dieser Investitionsform hinterlegen die Indexanbieter für verkaufte ETF-Anteile eine entsprechende Goldmenge im Tresor. Herbert Behr, Golden Gates CEO, wundert das nicht. Er verweist im Rückblick darauf, dass sich Gold und Silber historisch als extrem wertbeständig erwiesen haben. Im zweiten Quartal 2019 wuchs die von Gold-ETFs verwaltete Menge um 67,2 Tonnen.

Besonders Investoren aus Großbritannien und dem übrigen Europa haben vermehrt ihre Investments in Gold gegossen. Die Angst auf der Insel vor einem ungeregelten Brexit, verbunden mit den Negativzinsen der EZB treibt die Anleger in den sicheren Hafen Gold. Auch bezüglich der EZB deutet derzeit nichts auf eine Trendwende hin. Die Erwartung sinkender Leitzinsen sollten das Metall auch weiterhin unterstützen, und deren Besitzer zu den großen Gewinnern des Jahres 2019 machen.