19. Juni 2018
Anastasia Bergstern

Hakenkreuze zu zeigen ist in Deutschland verboten. Jedoch gibt es rechtliche Ausnahmen beispielsweise in der Kunst, aber auch hier nicht in allen Bereichen. In Spielfilmen wie Schindlers-Liste oder der Untergang dürfen Nationalsozialisten historisch getreu dargestellt werden, samt Hakenkreuz und SS-Abzeichen. In Computer-Games geht dies bislang nicht, aber dies könnte sich bald ändern.

Die Diskussion um ein Browserspiel mit dem Namen „Bundesfighter 2“ hatte eine Anzeige bei der Berliner Staatsanwaltschaft nach sich gezogen. Grund war die Spielfigur von AFD-Chef Alexander Gauland, der in Naziuniform und SS-Kampfstil dargestellt wurde. Neben ihm kämpfen auch Claudia Roth und Bundeskanzlerin Merkel in satirischer Art und Weise gegeneinander.

Die Staatsanwaltschaft bewerte die aktuelle Rechtslage als unzureichend, um gegen die Spielemacher zu ermitteln. Was bedeutet dies für Games mit Nazisymbolen?

Es wird vermutlich auch weiterhin eine Einzelabwägung getroffen werden müssen, ob Verfassungsfeindliche Symbole sozial adäquant sind oder nicht. Der Paragraph 86a im deutschen Strafgesetzbuch regelt die sogenannte „soziale Adäquanz“.

Ausgangslage für dieses Gesetzt ist das vor 20 Jahren gefällte Wolfenstein-Urteil. Damals hat das Oberlandesgericht in Frankfurt am Main entschieden, dass der Schutzzweck des §86a gebiete: “Dass in Computerspielen keine Kennzeichnungen von Verfassungswidrigen Symbolen gezeigt werden dürfen“.

Wie kam es zu diesem Verbot?

Lag es vielleicht am Zeitgeist, dass Computergames damals nicht als Kunst eingestuft wurden? „Es waren wohl mehrere Faktoren“, urteilt ein Experte. Einerseits war vor 20 Jahren noch eine andere Situation der gesellschaftlichen Anerkennung von Naziverbrechen und Games wurden lediglich als Zeitvertreib gesehen. Ein weiterer wichtiger Hintergrund war ein  Urteil gegen einen Spieler, der auf einer Plattform dieses Wolfenstein verbreitet hat und selbst rechtsradikal war, d.h. es ging nicht um den Spaß am Computerspiel, sondern das verbreitete Material war eine politisch motivierte Aktion.

Warum hat sich die Branche solange am Verbot orientiert?

Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen ist dies ein sensibles Thema, bei dem keiner sich an die vorderste Front stellen will und damit in die Nazi-Ecke. Anderseits müsste man ein langjähriges Verfahren auf den Weg bringen und gute Argumente für die Hakenkreuz-Symbolik vorbringen. Dies hat dazu geführt, dass die Gesetzte sich seit 20 Jahren nicht geändert haben.

Aber ist es überhaupt notwendig auf Nazisymbole zu setzen?

„Diese Frage sollte in jedem Einzelfall gestellt werden, ganz gleich, ob bei Film oder Game“, kommentiert ein Experte gegenüber OMS. Die FSK, die Selbstkontroll-Instanz mit zahlreichen Gremien schauen sich jeden Einzelfall an. So sollte auch bei Computerspielen verfahren werden, denn sie nehmen einen großen gesellschaftlichen Teil ein. Laut neuesten Studien haben 74% aller deutschen Männer und 23% aller Frauen bereits in ihrem Leben am Computer gespielt. Das es jetzt ein umdenken geben könnte zeigt die Juristenprüfstelle für jugendgefährdete Medien, die ein neues Verfahren anstrebt. Sollte sie damit Erfolg haben, dann kann man bald mit Hitler in „Egoshooter“-Manier herumballern.