18. April 2018
Gabriela Litzenburg

Es ist wieder soweit, pünktlich zur Urlaubssaison 2018 haben wir unsere Reporter für einen Reisebericht auf die Kanaren nach Gran Canaria geschickt. Nachdem wir die zweitgrößte kanarische Insel Fuerteventura bereits erkundet haben, waren die Erwartungen an Las Palmas, die Hauptstadt der größten Insel im Archipel, Gran Canaria, recht hoch. Zum Reisebericht-Fuerteventura.

Las Palmas de Gran Canaria auf der Insel Gran Canaria hat circa 380.000 Einwohner und ist damit die größte Stadt der spanischen Inseln. Sie ist eine der beiden Hauptstädte der Kanaren und zählt zum Verwaltungsgebiet der Provinz Las Palmas.

 

Von Kiew nach Berlin und weiter nach Gran Canaria

 

Unser Reporter Andry Leschenko verweilte für Recherchearbeiten im Zusammenhang mit dem Flughafen BER für eine Woche in Berlin. Dann plötzlich erhielt er den Anruf von Open-Media-Reporter Dennys Solokow, der ihn einlud mit ihm nach Spanien zu fliegen. Schnell waren sich beide einig, dass es sinnvoller ist von Berlin, als von Kiew aus zu fliegen. Denn die Reisedauer aus Berlin nimmt mit annähernd fünf Stunden nur die Hälfte der Zeit in Anspruch, statt elf Stunden, die es aus Kiew sind. Am Mittwoch dann war es soweit, Dennys stieg in Kiew in die Maschine und war nur zwei Stunden später in Berlin-Tegel. Dort holte ihn Andry ab und beide machten sich auf den Weg in den Süden Berlins, denn ihr Flug nach Gran Canaria sollte von Berlin-Schönefeld aus starten. Mit dem Bus und zweimal umsteigen in die Berliner S-Bahn, erreichten beide den Flughafen nach ungefähr 45 Minuten fahrt. Die Bahn-Infrastruktur in der deutschen Hauptstadt bewerten beide als gut strukturiert, leicht verständlich und sauber. Am Flughafen in Schönefeld angekommen und einem kurzen Snack, erfolgte die Gepäckaufgabe am Ryanair-Schalter. Für gefühlte 100 Reisende öffnete der Billigflieger zwei Check-In-Schalter, dementsprechend dauerte das Anstehen gut 30 Minuten. Ein ähnliches Bild zeichnete sich dann auch an der Sicherheitskontrolle ab. Hektisch, drängelnd und aufgeregt legten die Fluggäste ihre Portemonnaies, Jacken, Gürtel und Elektrogeräte ab. Andry hatte im Handgepäck neben einer Actioncam (GoPro) einen Laptop und sein Smartphone dabei. Als er hinter der Tastkontrolle seine Technik einpacken wollte, bat ihn ein bestimmender Sicherheitsmann ihm in einen kleinen Nebenraum zu folgen. Dort nahm er Abstriche von Händen und Hosentaschen, eine Toaster-Große Maschine machte binnen Sekunden eine Kontrolle, vermutlich auf Sprengstoff und schon wurde er weiter in den Einkaufsbereich hinter der Sicherheitskontrolle geleitet. Kurz vor dem Abflug besorgten sich beide eine Coca Cola und warteten am Terminal auf das Boarding. Im Wartebereich mussten dann Zusatzkosten von knapp 100 Euro für beide Flugtickets bezahlt werden, da im Priority-Bereich wesentlich mehr Sitzplätze zur Verfügung standen, als für Gäste, die Economy flogen.

 

Fünf Stunden Flug mit Ryanair, Germania bietet besseres Preisleistungsverhältnis

Ryanair macht seinem Ruf als Billig-Flieger, von dem nur wenig bis überhaupt kein Komfort erwartet werden darf, alle Ehre. Kein Essen inclusive, kein Film und Fernsehen, teure Kosten, aber dafür ein sehr freundliches und zu vorkommendes Kabinenpersonal. Während die Fluggesellschaft Germania ihren Passagieren auf Langstrecken ein kostenloses Essen und kostenlose Softdrinks serviert, kostet ein Getränk bei Ryanair fünf Euro und ein belegtes Brot noch ein wenig mehr.  Die Hinreise mit Ryanair hat im Gegensatz zur Rückreise mit Germania fast eine Stunde länger gedauert, eine richtige Erklärung gab es von den Piloten nicht. Im Test der Fluggesellschaften konnte Germania mit einem deutlich besseren Preis-Leistungsverhältnis sich gegen Ryanair durchsetzen. Die Flugroute erfolgte über Frankreich nach Südspanien und über den Atlantik auf die Insel Gran Canaria. Bis auf ein Schneegebiet mit schneebedeckten Gipfel hatte der Ausblick aus dem Flugzeug nichts zu bieten.

Maßgeblich geprägt wird die Stadt durch ihren Hafen, der zu den größten des Atlantiks gehört. Zu den Nachbargemeinden zählen Santa Brígida im Süden und Arucas im Westen.

 

Erst die Koffer, dann alles andere

 

Endlich am Flughafen Gran Canaria, dem Aeropuerto de Gran Canaria gelandet, sollte man zunächst im Sicherheitsbereich seinen Koffer holen, bevor man sich auf die Suche nach einer Toilette machte oder zu einer Zigarettenpause kurz hinaus wollte. Andry und Dennys folgten nämlich diesem Ratschlag nicht und verließen den Sicherheitsbereich, um sich ein Getränk zu besorgen und die ersten Sonnenstrahlen auf spanischem Boden zu erhaschen. Außerdem waren noch keine Koffer auf den schwarzen Fließbändern, in dem insgesamt sehr sauberen Flughafen zu sehen. Als sich beide ein Eis und etwas zu trinken besorgten, wollte sie zurück, um ihren Koffer zu holen. Kaum durch die Schiebetür durch, stoppten sie Sicherheitsbeamte und sagten, dass sie dort nicht noch einmal reindürften, da sie diesen Bereich bereits verlassen haben. Entsetzt, fragten beide was sie nun tun sollten? In gebrochenem Englisch und mit spanischem Akzent erklärte der Beamte den beiden Sie müssten sich an ihre Fluggesellschaft Ryanair wenden. „Das war kein toller Start. Angekommen im vermeintlichen Paradies, ohne Kleidung und Papiere“, erinnert sich Dennys.

Nach einer kurzen Suche standen beide vor einem verschlossenen Ryanair-Schalter, der seit 16 Uhr geschlossen hatte – es war bereits 19 Uhr Ortszeit. Die Zeitverschiebung zu den Kanaren beträgt eine Stunde, in Gran Canaria ist es demzufolge immer eine Stunde früher als in Deutschland. Schockiert und besorgt standen unsere Reporter von dem Ryanair-Schalter, überlegten kurz und gingen zurück zu dem Bereich aus dem sie die Beamten vor 10 Minuten erst herausgebeten haben. Nach weiteren 150 Metern Fußweg durch den Flughafen trafen die Reporter die Beamten und schilderten die Situation. Es dauerte nur ein weiteres Telefonat und zusätzliche fünf Minuten Wartezeit bis sich die Sicherheitsleute dazu durchgerungen hatten, ihnen den Zutritt zu ihren Koffern zu gewähren.

 

Vom Flughafen mit Bus oder Taxi?

 

Das Hotel von Andry und Dennys befand sich im Norden der Insel direkt im Zentrum von Gran Canaria nahe der berühmten Straße Jose Mesa y Lopez. Es gab zwei Möglichkeiten, entweder ein Taxi zu nehmen oder den örtlichen Bus. Sie entschieden sich, weil der Flug bereits sehr anstrengend war, ein Taxi zu nehmen. Die Fahrt entlang der Ostküste der Insel gibt einen Blick auf den inselprägenden Hafen, der zu den größten im Atlantik zählt. Der Hafen und die damit verbundene Industrie zählt neben dem Tourismus zu den Hauptarbeitgebern der Insel, er befindet sich in der westlichen Gemeinde Arucas, im Süden grenzt er an die Gemeinde Santa Brígida. Nach einer halben Stunde erreichten die beiden ihr Hotel im Norden und zahlten 35 Euro plus Trinkgeld für die Fahrt. Auf der Rückreise eine Woche später nutzten sie den Bus, der mit knapp 3 Euro wesentlich günstiger war und mit nur drei Haltestation auch nicht unkomfortabler als das Taxi.

 

Norden für Surfer, Süden für Touristen

Die Insel ist in den Norden, der wild und häufig bewölkt oder regnerisch ist (Panza de burro von Einheimischen genannt) und in den Süden, wo der meiste Tourismus stattfindet, geprägt. Im Norden sind die Strände durch das Vulkangestein dunkel und sogar teils schwarz, im Süden sind die Strände größer, heller und wirken sauberer – ähnlich wie die Traumstrände in Fuerteventura. Die Altstadt von Las Palmas hat so einiges Sehenswertes zu bieten. Die wunderschön verzierte Kathedrale Santa Ana aus dem 15. Jahrhundert oder die Plaza Espiritu Santo sind ein Muss für Touristen. In Las Palmas kann man auf der Promenade Paseo las canteras und dem Strand einen gemütlichen Tag verbringen, es reihen sich Hotels, Restaurant und Bars aneinander. Nahe dem Faycan-Hotel direkt auf der Promenade befindet sich ein einheimisches Restaurant mit traditioneller Küche. Mit perfektem Meeresblick bieten die Köche fangfrischen Fisch in verschiedenster Zubereitung für 10-13 Euro pro Portion an. Anders als in Deutschland überwiegt auf der Insel ausnahmslos die Hauptspeise vor den Beilagen. Dieses Restaurant ist immer gut besucht, insbesondere von Einheimischen und ist auf der gesamten Promenade das günstigste Angebot. In anderen nahen Etablissements variieren die Preise für eine Hauptspeise zwischen 15-25 Euro. Der Atlantik ist traditionell sehr wild und niemals still, das macht sich im Norden der Insel besonders bemerkbar. Wellen von bis zu drei Metern Höhe schlagen mit einem starken Vibrieren gegen die Feldküste. Wer baden gehen will, muss auf Strömungen achten. Die Wasseraufsicht stuft kontinuierlich die Gefahrenlage ein und hisst entweder die gelbe Flagge am Strand für „mittlere Gefahr“ oder auch manchmal die „rote“, wenn die Strömungen lebensgefährlich werden. Für Menschen, die Surfen wollen und die Insel von ihrer wilden Seite kennenlernen wollen, ist der Norden besser geeignet.

 

Nachtleben auf Gran Canaria

 

Auf Blogs und Internetforen sind Geschichten zu lesen von einem aufregenden und lebendigen Nachtleben. Die Straße Jose Mesa y Lopez, die an einem Yacht-Club endet, steht dabei immer im Mittelpunkt. Unsere Reporter haben den Test gemacht und sind dort hingegangen. Das, was sie erwartete, war eine riesen Enttäuschung. Innerhalb von einer Woche waren sie mehrfach an die Orte gegangen, wo etwas „abgehen“ soll, doch jedes Mal erwartete sie gähnende Stille, als wäre das Nachtleben ausgestorben. Ab 22 Uhr darf kein Alkohol verkauft werden, möglicherweise besteht hier ein Zusammenhang. Wer nach anderen Substanzen wie Marihuana oder Kokain sucht, wird schnell fündig. Meist sind es Nord- oder Mittelafrikaner, die Touristen offensiv die Drogen verkaufen wollen. Unser Reporter Dennys freundete sich mit so einem Senegalesen an, der ihn im Surfer-Bereich an der Playa de Las Canteras zu einem Coffeeshop führte. In einem Haus, das schon seit langem keinen Anstrich mehr bekommen hat, hinter einem Holztor befindet sich ein Schreibtisch mit 20 verschiedenen Sorten Cannabis. Nur mit vorherigem Klopfen kommt man hinein. Als unser Reporter hereingelassen wurde, schilderte er dem Besitzer kurz, dass er Tourist sei und sich etwas kaufen möchte. Anders als in Corralejo auf Fuerteventura wird auf Gran Canaria das Kiff-Verbot für Touristen strenger durchgesetzt. Der Besitzer verwies ihn des Ladens ohne ihm etwas zu verkaufen und sagte ihm im letzten Satz, wenn er einen Spanier mitbringen würde, könnte er ihm etwas verkaufen. Gesagt, getan, er ging kurzerhand um die Ecke in den Surf-Shop und fragte den freundlichen Kassierer, ob er ihn begleiten könnte. Zusammen und nur wenige Minuten nach dem ersten gescheiterten Versuch durften beide in den Coffeeshop, diesmal verkaufte ihm der Besitzer etwas und auch bei dem danach folgenden Besuch, war das Gesetz kein Problem mehr. Nachdem Dennys einen Joint geraucht hat, suchten beide eine Bar, wo sie das Nachtleben kennenlernen wollten. Nur eine Bar mit knapp 20 Besuchern kam in Frage – die NYC Taxi-Bar. Im New-York-Style verkleidet war die Bar einigermaßen gut gefüllt und die Drinks waren bezahlbar. Doch insgesamt passte dieser Eindruck zu der Insel, dass sie die beste Zeit bereits hinter sich hat.

 

Taschendiebe sind allgegenwärtig

 

Aus der Bar heraus, die bereits um kurz nach Mitternacht schloss, entschieden sich beide den Fußweg ins Hotel anzutreten. Etwas weniger als einen Kilometer durch die Innenstadt führte der Weg durch die belebte Altstadt. Überall Bettler und kleine Imbisse auf den Straßen, Gran Canaria hat die Armut immer weniger im Griff, hat man das Gefühl. Mit der Armut kommt auch die Kriminalität. Als sich Andry noch zu später Stunde einen gefüllten Brotfladen von einem libanesischen Imbiss holte, wurden sie von einem scheinbar Einheimischen angesprochen, ob sie ihm etwas Kleingeld geben könnten. Instinktiv verneinten beide, doch der Mann folgte ihnen und kam Dennys immer dichter. Als die beiden am Hoteleingang ankamen tanzte der Mann Dennys in typischer Manier an und erbeute dabei sein Portemonnaie ohne dass er es mitbekommen hatte. Der dunkelhaarige Mitte Dreiziger entfernte sich kurz einige Meter, bis er wieder zurückkam. Als beide ins Hotel hineingehen wollten, um weitere Gespräche zu vermeiden, zeigte er das Portemonnaie von Dennys und sagte dieser habe es eben verloren. Anschließend wollte er fünf Euro Finderlohn. Dennys griff die Geldbörse und sagte ihm, wir brauchen die „Policia“, daraufhin rannte der Dieb davon. Noch zwei Tage später konnten ihn beide an verschiedenen Straßenecken beobachten, doch immer, wenn er die Reporter sah flüchtete er.

Fazit:

Die Insel bietet weitaus weniger schöne Strände wie beispielsweise Fuerteventura. Das Nachtleben ist ausgestorben und wer wirklich im Urlaub feiern will, ist hier falsch. Die Strände und die Innenstadt sind teils schmutzig und es herrscht eine Kriminalität, wie man sie aus Großstädten kennt. Die Preise und Lebenshaltungskosten sind gering und man kann hier mit wenig Geld einen guten, erholsamen aber ruhigen Urlaub erleben.