19. März 2018
Denys Sokolow

Wer an den Vatikan denkt, bekommt schnell antike römische Bauwerke in den Sinn, und den Papst, der als Vertreter Gottes auf Erden seinen Sitz im kleinsten Staat der Welt hat – und mittlerweile denkt man auch an Sex und Skandale. Kaum ein Jahr vergeht, in der die Katholische Kirche nicht mit einer Sex-Enthüllung, Pädophilie oder Missbrauch in Verbindung gebracht wird.

Francesco Mangiacapra (30), der italienische Callboy, gab der Schweizer Zeitung Blick ein brisantes Interview über die Kirche, ihre Priester und deren perverse Vorlieben. Er übergab dem Vatikan vor weniger als einem Monat ein brisantes Dossier mit mehr als 1000 Nacktfotos und Chatverläufen von Whatsapp, die er mit Priestern geführt hatte. Francesco ist ein einfacher Mann aus Verona, der schon früh seine Zuneigung gegenüber Männern verspürte und sich früh als homosexuell outete. Mit Anfang 20 begann er aus seiner Leidenschaft einen Beruf zu machen und heuerte bei einem Call-Boy-Agenten an. Schnell erhielt er Angebote von Geistlichen aus dem Vatikan, insgesamt sollen es 40 gewesen sein.

Escort, Kokain und Luxus

Francesco belastet den Geistlichen Don Luca Morini schwer: Er soll sich mit dem Geld der Gläubigen einen ungezügelten Luxus, Escortdienste und Kokain gegönnt haben. Nach den Enthüllungen wurde er nun in den Laienstand versetzt, aber nicht aus der Kirche verwiesen. Er bleibt damit weiterhin Angehöriger der Religionsgemeinschaft, hat allerdings kein geistliches Amt mehr inne.

Ihr Verhalten basiert auf der Furchtlosigkeit gegenüber der Strafverfolgung, an die sich die Kirchenführer gewöhnt hätten, sagt Francesco. In seinem Buch, was er zwischenzeitlich geschrieben hat, erzählt er über die Gruppierung schwuler Priester. Alle würden sich gegenseitig besuchen, sich kennen und unterstützen, führt der Call-Boy aus. Zu einem der 40 Sex-Priester hat er weiterhin Kontakt und es gab auch weitere Treffen.

Homosexualität im Vatikan

Die Kirche unterscheidet beim Begriff der Homosexualität zwischen der Neigung zu gleichgeschlechtlichen Partnern und daraus resultierenden Handlungen. Eine homosexuelle Neigung ist weniger schlimm zu betrachten, weil sie zwar schon ein wenig sündhaft ist, aber im Grunde „eine mehr oder weniger starke Tendenz, die auf ein sittlich betrachtet schlechtes Verhalten ausgerichtet ist“, sagt uns Wikipedia. Homosexuelle Handlungen hingegen werden als üble Sünde betrachtet, die der „schöpferischen Weisheit Gottes entgegensteht“ und dem Naturrecht widerspricht, weil die „Weitergabe des Lebens“ beim Geschlechtsakt ausgeschlossen bleibt.

Nach katholischem Verständnis besteht eine Ehe aus Mann und Frau, die gleichgeschlechtliche Ehe wird sowohl im kirchlichen Verständnis des Ehesakraments, aber auch als rein staatliche Zivilehe abgelehnt. Angesichts der fortlaufenden Enthüllungen über immer neue Sex-Skandale stellt sich die Frage, ob im Vatikan „Wasser gepredigtgt, aber Wein getrunken wird“?