17. August 2020
Denys Sokolow

Ende Juli ist ein japanischer Frachter vor der Küste von Mauritius gestrandet und mittlerweile in 2 Teile zerbrochen. Seitdem verliert der Tanker Unmengen an Öl, welche den einst türkisfarbenen Indischen Ozean vor der Ostküste des Landes in tiefes Schwarz einfärbt. Die Regierung ist für eine derartige Situation „unzureichend ausgerüstet“, weswegen die Insel kurz vor einer Umweltkatastrophe schwebt. Ausländische Expert*innen helfen nun dabei das Öl abzupumpen. Auch den Inselbewohner*innen ist jedes Mittel recht, um die Ausbreitung des Öls einzudämmen.

Das Schiff „Wakashio“ war laut der japanischen Regierung auf dem Weg von Singapur nach Brasilien, angeblich ohne Fracht. Verschiedene Medien aus Mauritius berichten allerdings, dass der Tanker mehr als „200 Tonnen Diesel und 3800 Tonnen Schweröl“ an Bord gehabt habe, so die Tagesschau. Das Wrack ist vom Strand der Küste aus zu sehen und liegt auf einem Korallenriff, unmittelbar neben zwei Naturschutzgebieten. Die gesamte Mannschaft konnte rechtzeitig von Bord gerettet werden. Greenpeace bestätigte, dieser Vorfall sei „eine der schlimmsten ökologischen Krisen, die dieser kleine Inselstaat jemals erlebt hat“. Mauritius hat einen Umwelt-Notstand ausgerufen und fragte verschiedene Länder nach Hilfe, so auch Frankreich, einen früheren Kolonialherrscher der Insel. Auch Expert*innen aus Niedersachen halfen bei der Eindämmung der Ölverschmutzung helfen und stellen dem Land ein Team von Spezialist*innen mit notwendigen Geräten zur Verfügung.

Um das Unglück einzudämmen wurde mittlerweile „Treibstoff aus dem Wasser, aus dem verunglückten Frachter sowie von der Küste abgepumpt“, so „die Welt“, nach Aussage von Ken Arian, einem mauretanischem Regierungsberater. Es ist gelungen die Tanks des Frachters zu leeren, weswegen das Auseinanderbrechen des Schiffes verhindert werden konnte. Laut der Tagesschau haben die Rettungsmannschaften Hubschrauber genutzt, „um das Öl an Land zu transportieren“. Die Wetterbedingungen erschwerten die Rettungsarbeiten allerdings, da die starken Winde das Öl rasch weiter um die Küste verbreitet haben. Der Premierminister von Mauritius, Pravind Jugnauth, bestätigte, dass es sich hierbei um „ein Rennen gegen die Zeit“ gehandelt habe. Der Wettlauf ist allerdings noch nicht gewonnen, da sich weiterhin 100 Tonnen Öl an Bord des Frachters befinden, welche nicht in den Tanks gelagert wurden. Neben vielen ausländischen Expert*innen helfen auch freiwillige Bürger*innen bei der Bekämpfung der Ölkatastrophe, indem sie sich die Haare abschneiden. Megan Murray, eine Umweltbiologin an der University of Technology in Sydney, erklärt der Süddeutschen Zeitung in einem Interview, dass Haare und Felle als Adsorptionsmittel für Rohöle fungieren. Das heißt, das Öl dringt nicht wie bei einer Absorption in das Haar ein, sondern festigt sich nur an der Oberfläche. Sie berichtet außerdem, dass diese Methode schon öfters bei Ölkatastrophen eingesetzt wurde, „weil sie sehr effektiv ist“. Natürlich sind enorme Mengen an Haaren erforderlich, um die Massen von Öl zu binden, aber dennoch sind sie gut geeignet, da es sich um einen nachhaltigen Rohstoff handelt.

Doch trotz der großen Hilfe leidet das Land stark. Die einzigartigen Korallenriffe und die gesamte Meereswelt müssen das Unglück ausbaden. Nicht nur die Umwelt hat mit der Ölkatastrophe zu kämpfen, sondern auch die Wirtschaft des Inselstaats wird mächtig beeinträchtigt. Mauritius lebt vom Tourismus, der nicht zuletzt schon wegen der Corona-Krise enorm abgenommen hat. Allein im letzten Jahr konnte das Land rund 1,4 Millionen Tourist*innen verzeichnen, die bisher ausgeblieben sind. Seit März sind Einreisen untersagt, der Flughafen bleibt geschlossen und auch die Strände dürfen erst seit Mitte Juni wieder betreten werden. Der Tourismus machte allein im Jahr 2017 8% des Bruttoinlandsprodukts aus und gab 10% der Bevölkerung einen Arbeitsplatz. Die weißen Strände und die umwerfende Artenvielfalt der Natur locken diese Tourist*innen an, doch die Ölkatastrophe bedroht diese außergewöhnlichen Merkmale der Insel. Vikash Tatayah von der „Mauritian Wildlife Foundation“ geht davon aus, dass viele Korallen sterben werden, sobald sich der Treibstoff auf dem Meeresboden ablagert. Es bleibt zu hoffen, dass die Rettungskräfte das Öl vollständig und nachhaltig aus dem Wasser entfernen können und auch die restlichen Ölreserven an Bord des Wracks auspumpen können. Sonst wird aus dem einstigen Paradies rund um die blaue Lagune eine sterbende Landschaft, die ihren Reiz gänzlich verloren hat.