14. August 2020
Anastasia Bergstern

Da gibt es eine Menge Verbesserungspotenzial: Wer es darauf anlegt, kommt locker um den Corona-Pflichttest am Flughafen herum. Mehrere Selbstversuche auf deutschen Flughäfen zeigen, dass es ganz simpel ist, sich an der Kontrolle vorbeizudrücken. Das Schlimmste dabei jedoch ist, dass diejenigen, die getestet werden, auf irgendwelchen losen Zetteln Angaben zu Person, Adresse und Reiseland machen müssen, und diese Angaben aber gar nicht auf Richtigkeit und Wahrheitsgehalt überprüft werden. Da kann also jeder draufschreiben, was er will, selbst nach dem obligatorischen Ausweis zur Identitätsüberprüfung wird verzichtet. Niemand da, der danach fragt. Hallo, wie geht denn so was? Wie sieht denn dann der Schutz der Bevölkerung aus, wenn jeder das Virus wahllos einschleppen kann?

Groß angekündigt, schlecht ausgeführt: Die Pflichttests für Reisende aus Risikoländern, die nach Deutschland zurückkommen und die möglicherweise mit dem Corona-Virus infiziert sind. Da gibt es zwar an allen Flughäfen Kontrollstellen, aber es gibt keine echten Kontrollen, dass auch wirklich jeder dort untersucht wird. In Berlin-Schönefeld konnte eine Reporterin der BILD, die aus Barcelona eingereist war, ganz entspannt zur Kontrolle gehen, oder auch nicht. Gerade Barcelona, oder auch Katalonien, wo die höchste Stufe der Reisewarnungen ausgesprochen wurde und wo selbst die Spanier gesagt haben, dass dort strengste Kontrollen bezüglich Abstands- und Maskenpflicht herrschen. Barcelona gehört zu den Hotspots der Neuinfektionen, und es ist niemandem anzuraten, dort seinen Urlaub zu verbringen. Wer es dennoch tut, läuft Gefahr bei der Rückkehr viele Menschen anzustecken. Der schöne Vorsatz, dass die Reisenden dann 14 Tage in Quarantäne müssen, ist ein frommer Gedanke ohne ernsthafte Konsequenz. Niemand überprüft, ob die Quarantäne eingehalten wird, niemand fordert Nachweise oder ärztliche Atteste. Die kann man bringen, muss es aber nicht zwingend. Das kann doch gar nicht wahr sein!

Die Verordnung zur Corona-Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten trat am 8. August in Kraft, mit viel Öffentlichkeit von Jens Spahn eingefordert. Wer sich nicht an die Verordnung hält, muss mit einem Bußgeld rechnen. Die Entscheidung über Strafen liegt nach Worten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei den Behörden vor Ort und kann bei bis zu 25.000 Euro liegen. So weit so gut. Aber bereits am Flughafen Schönefeld vor den Toren der Bundeshauptstadt endet der gute Vorsatz und die Androhung von Sanktionen. Die Hinweisschilder, wie man zum Kontrollpunkt kommt, sind eher unauffällig und können leicht übersehen werden. Wie gesagt, Angaben von Reisenden werden nicht überprüft, so dass sich eine Infektionskette auch nicht zurückverfolgen lässt. Wie bitter ist das denn?

In einigen anderen deutschen Airports soll es angeblich mit den Pflichttests besser laufen, da werden die Rückkehrer direkt am Gepäckband abgefangen und zum Corona-Kontrollcenter geleitet. Aber was ist mit denen, die nur Handgepäck haben und so direkt zum Ausgang laufen? Ob da ebenfalls Kontrollen am Ausgang stattfinden, ist fraglich. Unisono hört man allerdings von allen Flughäfen, dass lediglich Handzettel verteilt werden, dass es Kontrollpunkte gibt, wo man sich testen lassen kann. Nirgendwo steht mit Nachdruck, dass Tests verpflichtend sind. Da gibt es noch deutlich Verbesserungspotenzial. Dabei gibt es seit Samstag, 8.8.2020 die Verpflichtung, sich testen zu lassen an Flughäfen. Doch wie will man die Bußgelder bis 25.000 Euro eintreiben, wenn man nicht weiß, wer verweigert hat? Am Mittwoch gab es beispielsweise 1.045 Neuinfektionen in Deutschland, so viele wie lange nicht mehr. Die Pandemie ist noch lange nicht überstanden und es droht die gefürchtete 2. Welle. Mallorca soll in Kürze zurück zum Lockdown gebracht werden, Spanien erneuert insgesamt die Reisewarnungen regelmäßig und selbst in Bulgarien, der Ausweich-Partymeile am Goldstrand, werden Feierwütigen nun Verbote vor die Nase gesetzt. Wer jetzt noch glaubt, er könnte aus diesen Ländern, ebenso wie aus Kroatien, Türkei oder Italien einfach so bei uns wieder einreisen und müsste sich nicht um die öffentliche Sicherheit kümmern, der macht sich strafbar. Da sollte es dringend eine Null-Toleranz-Quote geben.