15. Juni 2020
Anastasia Bergstern

Nach acht Wochen wirtschaftlichen Lock Down ist es Zeit eine Zwischenbilanz der Auswirkungen der Pandemie auf die Altersvorsorge zu ziehen. Steigende Arbeitslosigkeit, Millionen Menschen in Kurzarbeit und düstere weltwirtschaftliche Aussichten stellen das System vor große Herausforderungen. Droht in Zukunft massenhaft Altersarmut?

Dem umlagefinanzierten Rentensystem in Deutschland droht der Kollaps. Immer weniger Erwerbstätige müssen mit ihren Einzahlungen in die Sozialversicherungen die Ansprüche einer stetig steigenden Zahl von Rentnern aufbringen. 2017 kamen auf 100 Erwerbstätige noch 36 Rentner, zehn Jahre später wird das Verhältnis bei 100 zu 47 liegen – mit steigender Tendenz. Die unausweichliche Folge werden steigende Beiträge bei gleichzeitig sinkenden Ansprüchen für die junge Generation sein. „Das derzeitige Rentenniveau und die Beitragshöhe lassen sich mittel- und langfristig nicht halten“, kommentiert Sven Thieme,

Geschäftsführer der Competent Investment Management GmbH aus Coswig, die Zahlen.

Durch die Folgen der Corona-Krise wird sich die angespannte Situation der Sozialkassen noch verschärfen. Führende Ökonomen rechnen mit negativen wirtschaftlichen Folgen und steigender Arbeitslosigkeit. Es drohen sinkende Einzahlungen in die Rentenkassen und stark fallende Steuereinnahmen. Sven Thieme, Geschäftsführer der Competent Investment Management GmbH, fordert daher ein entschiedenes Handeln der politisch Verantwortlichen: „Wenn die Politik nicht schnell reagiert, droht dem System der Kollaps.“

Corona steigert Angst vor Altersarmut

Laut einer Umfrage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen befürchtet jeder Dritte, dass die Corona-Krise negative Auswirkungen auf die Altersvorsorge haben wird. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine Umfrage der Marktforscher von Yougov im Auftrag des Online-Versicherungsmaklers Clark. Rund ein Drittel der Deutschen rechnet damit, dass ihre Altersvorsorge durch die Pandemie und ihre wirtschaftlichen Langzeitfolgen in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.

Besonders Frauen drohen Corona-bedingte Einbußen bei der Altersvorsorge, so das Ergebnis einer aktuellen Befragung von Fidelity International. 14 Prozent aller weiblichen Befragten gaben an, Zahlungen für die Altersvorsorge zu kürzen oder ganz auszusetzen, während nur 4 Prozent aller Männer an der eigenen Altersvorsorge sparen wollen. „Wir sehen einen klaren Trend, dass Frauen durch die Corona-Krise stärker betroffen sind als Männer und eher Abstriche bei der Altersvorsorge machen“, sagt Sven Thieme, Geschäftsführer der Competent Investment Management GmbH.

Trend zu Unterversorgung

Sinkende Investitionen in die private Altersvorsorge verstärken einen Trend zur Unterversorgung, der in den nächsten Jahrzehnten massive Probleme nach sich ziehen könnte. Bereits vor der Corona-Krise gaben 70 Prozent aller Befragten in einer Studie der Deutschen Bank mit Unterstützung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos an, damit zu rechnen, im Alter von Grundsicherung leben zu müssen. Gerade einmal 17 Prozent der 3.200 Teilnehmer im Alter von 20 bis 65 Jahren erwarten, dass die gesetzliche Rente im Alter ausreichen wird. Die benötigte Sparquote für eine ausreichende Altersversorgung wurde im Schnitt mit 200 Euro im Monat angegeben, tatsächlich sparten die Teilnehmer der Studie aber signifikant weniger: 50 Euro monatlich. „Die Corona-Krise wird das Problem einer mangelnden privaten Altersversorgung großer Teile der Gesellschaft weiter verschärfen“, prophezeit Sven Thieme, Geschäftsführer der Competent Investment Management GmbH aus der Dresdner Straße 92 in Coswig.

Ein besonders hohes Risiko auf Altersarmut besteht laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung in Ostdeutschland. Hauptgrund ist die hohe Arbeitslosigkeit in den Neunziger Jahren, die sich negativ auf die Rentenansprüche vieler Menschen auswirkt. Ebenfalls stark gefährdet sind Frauen, die aufgrund von Kindererziehungszeiten und einer höheren Teilzeitquote im Schnitt niedrigere Rentenansprüche erworben haben als Männer. „Die Mehrheit der Deutschen glaubt nicht mehr an das Mantra, die Rente sei sicher. Die Angst vor Altersarmut reicht bis weit in die Mittelschicht“, kommentiert Competent-Chef Thieme die Studienergebnisse.

Eigentum schützt vor Altersarmut

Verbraucherschützer und Finanzexperten sind sich einig, dass nur eine ausreichende private Altersvorsorge vor Altersarmut schützen kann. Um Anreize zum Sparen zu setzen, werden neben der gesetzlichen Rente auch einige Finanzmarktprodukte durch staatliche Zuschüsse gefördert. Hierzu gehören die Betriebliche Altersvorsorge sowie Riester- und Rürupverträge. Zudem sind Einkünfte aus Kapitalerträgen, beispielsweise Dividenden oder Mieteinnahmen, häufig steuerlich bessergestellt als Lohneinkommen.

Während Aktien in Deutschland eher unpopulär sind, spielen Sachwerte für die Altersvorsorge hierzulande eine enorme Rolle. Die meisten Experten raten dazu, bis zu 25 Prozent des Vermögens in Edelmetallen zu investieren.  Laut einer Studie der Steinbeis-Stiftung besitzen drei Viertel aller Deutschen Gold in Form von Schmuck, Barren und Münzen oder mittelbar als Wertpapiere. Im Schnitt beträgt das Goldvermögen 58 Gramm Goldschmuck und 71 Gramm in Form von Barren oder Münzen. Privater Goldbesitz und Goldreserven der Bundesbank summieren sich in Deutschland auf 6,5 Prozent der weltweiten Reserven.

Neben Gold und Silber gehören Immobilien zu den beliebtesten Möglichkeiten der Altersvorsorge. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) senkt selbstgenutztes Immobilieneigentum das Risiko in Altersarmut zu enden, signifikant. Vor allem Rentner, die über mehrere Immobilien verfügen, müssen sich laut der Studie kaum Sorgen machen. „Falls ein Haushalt über weitere Immobilien und entsprechende Mieteinnahmen verfügt, kann davon ausgegangen werden, dass dieser Haushalt keinem Altersarmutsrisiko unterliegt“, schreiben die Bertelsmann Wissenschaftler.