11. Juni 2020
Denys Sokolow

Während die Banken in Zeiten von Corona eigentlich die Wirtschaft ankurbeln und Kredite gewähren sollten, leiden die Geldhäuser selbst unter der Rezession und der Niedrigzinspolitik.

Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) herrscht derzeit „die schwerste Krise der wirtschaftlichen Entwicklung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“. Neben den wirtschaftlichen Engpässen der einzelnen Bürgerinnen und Bürger, müssen besonders die Banken der Mehrfachbelastung durch die Pandemie Stand halten.

Sie sind zum einen selbst vom Einbruch der Wirtschaft betroffen, die teilweise zum Erliegen gekommen ist. Hinzu kommt aber auch, dass die wirtschaftliche Notlage trotz staatlicher Hilfsprogramme in weite Teile der Gesellschaft hineinreicht. Laut dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. (ifo-Institut) waren im Mai rund sieben Millionen Menschen in Kurzarbeit beschäftigt. Deren geringeres Einkommen geht mit einer geringeren Liquidität einher. Den Banken droht deshalb eine hohe Anzahl an Kreditausfällen, die sie zunächst durch ihre eigenen Kapitalpuffer kompensieren müssen. Dafür müssen entsprechend hohe Rückstellungen gebildet werden.

Zum anderen wird die wirtschaftliche Notlage der Banken durch die Nullzinspolitik der Notenbanken zusätzlich belastet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins auf beinahe Null Prozent herabgesetzt. Wenn die Banken also Geld bei den Notenbanken deponieren, erhalten sie keinerlei Zinszahlungen, sondern müssen sogar Strafzinsen zahlen. Der Grund:: Zu viele Geldeinlagen bedeuten überschüssige Liquidität, die wirtschaftlich genutzt werden soll. Wenn Notenbankeinlagen unattraktiv für die Banken werden, regt das in der Theorie die Vergabe von Krediten an und wirkt sich positiv auf das Wirschaftswachstum aus. Allerdings ist die Kreditvergabe in der Eurozone derzeit rückläufig. Das Ziel eines höheren Kreditvolumens ist  in der Praxis schwierig umzusetzen, als in der Theorie. In der Pandemie ist das Konsumverhalten zurückgegangen.Schließlich kauft sich niemand ein Auto, mit dem man nur bis zur geschlossenen Landesgrenze fahren kann. Der Verbraucher legt sein Geld in Krisenzeiten lieber zurück, womit sich die wirtschaftliche Belastung der Banken wieder verstärkt.

Bedenkt man die allgemeine wirtschaftliche Belastung und nun auch die zusätzlichen Strapazen durch die Pandemie, ist es wenig überraschend, dass die Geldhäuser den Folgen der Coronakrise nicht auf Dauer entgehen können.Während die US-Banken mit den Renditen des vergangenen Jahres die Folgen der Pandemie bislang abfedern konnten und durch Stresstests der US-Notenbank den schlimmsten Fall einkalkulierten, sieht die Situation der europäischen Banken anders aus. Neben Kreditausfällen stellt die Nullzinspolitik für viele eine Herausforderung dar. Vor allem Länder wie Spanien, Italien und Frankreich, die in besonderem Ausmaß von der Pandemie betroffen sind, ist eine schnelle wirtschaftlcihe Erholung unwahrscheinlich. Aber auch im reichen Norden Europas wachsen die Befürchtungen. Laut der Ratingagentur Moody’s ist die Prognose für die wirtschaftliche Lage der EU trotz Hilfsprogrammen schlecht, da die Corona-Pandemie die Wirtschaft insgesamt ausbremse.

Auch Deutschlands Banken blieben nicht verschont. Bereits 2008 brauchten die deutschen Banken Liquiditätshilfen in Milliardenhöhe. Mit den Folgen dieser Finanzkrise kämpfen einige Institute bis heute noch. Ist demnach die Angst vor einer weiteren Finanzkrise wie im Jahr 2007 und 2008 berechtigt?„Ganz so schwarz würde ich nicht sehen. Die Banken haben aus der globalen Finanzkrise gelernt, sind heute konservativer aufgestellt und halten viel mehr Eigenkapital. Aber die Corona-Krise wird sie dennoch massiv treffen und ist zweifelsohne eine immense Herausforderung“, sagt Oliver Geiseler, Partner der Unternehmensberatung Capco Capital.

Auch Stefan Hoops, Chef des Unternehmensbereichs der Deutschen Bank, ist auf lange Sicht zuversichtlich, dass die Corona-Pandemie nicht zu einer neuen Bankenkrise führen werde. Gegenüber dem Handelsblatt sagte er: „Solange sich der Lockdown nicht unabsehbar hinzieht, glaube ich nicht, dass europäische Banken große Probleme bekommen.“ Inzwischen wurden einige der Maßnahmen des Lockdowns bereits wieder gelockert, die Wirtschaft nimmt wieder an Fahrt auf. Es bleibt also abzuwarten, ob Hoops mit seiner Prognose richtig lag.