30. Oktober 2019
Denys Sokolow

Die Lebenserwartung steigt immer weiter an. Eine aktuelle Analyse der Bundesbank hat ergeben, dass sich daraus eine finanzielle Schieflage des Rentenniveaus ergibt. Die Verantwortlichen schlagen daher eine Erhöhung des Eintrittsalters in die Rente vor.

Arbeiten für das Rentenniveau

Derzeit sichert das Rentenpaket der Bundesregierung bis 2025 ein Rentenniveau von 48 Prozent, welches das Verhältnis der Rente zum vorherigen Durchschnittslohn markiert. Sollte nichts geändert werden, würde das Niveau trotz steigender Beiträge laut Bundesbank bis 2070 auf 40 Prozent schrumpfen. Als Lösung schlagen die Ökonomen die Anhebung des Rentenalters vor. Das Eintrittsalter soll im Zuge der steigenden Lebenserwartung schrittweise erhöht werden. Demnach würden beispielsweise Personen, die 2001 geboren wurden, erst mit 69 Jahren und vier Monaten in Rente gehen. So könne sichergestellt werden, dass das Niveau nur auf rund 43 oder 44 Prozent sinkt.

Schon die Anhebung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre sorgt seit 2012 immer wieder für Diskussionen. In ihrem Bericht stellte die Bundesbank jedoch fest, dass dies nicht ausreiche, da „durch die demografische Entwicklung die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung künftig unter erheblichen Druck“ gerate. Insbesondere ab Mitte der 2020er – Jahre werde das zum Problem, da geburtenstarke Jahrgänge dann das Rentenalter erreichen.

Steigende Beiträge und sinkende Rente

Auch in Bezug auf die Entwicklungen von Beitragssätzen, Versorgungsniveau und Bundeszuschuss nach aktueller Gesetzeslage, hat die Bundesbank eine erhebliche Verschlechterung berechnet. So werde es nach derzeitigen Erkenntnissen bis 2070 zu einem Anstieg des Beitragssatzes von 18,6 auf 26 Prozent kommen. Gleichzeitig werde das Versorgungsniveau jedoch um knapp 17 Prozent sinken, obwohl sich der Zuschuss des Bundes um circa die Hälfte erhöhen würde.

Aus der Politik kam die Kritik vor allem von SPD, den Grünen und der Linke.
So forderte der rentenpolitische Sprecher der Grünen, Markus Kurth, eine „Strategie für ein gesünderes, längeres Arbeiten und keine Rente mit 69 für alle.“ Die SPD – Fraktionsvize Katja Mast erwähnte gegenüber dem Handelsblatt, dass auch sie die Anhebung des Renteneintrittsalters für falsch halte, während das von ihrer Partei geführte Bundesarbeitsministerium auf hohe Unsicherheiten in den Berechnungen der Bundesbank verwies. Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken, positionierte sich für eine breitere Beitragsbasis, um die Einnahmen insgesamt zu erhöhen. Er stellte infrage, warum es Extrasysteme für Politiker, Beamte und Selbständige gebe.

Unterstützung erhielt der Vorschlag der Bundesbank schließlich aus der Wirtschaft. So hält Hans-Peter Klös vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) die Anpassung des Rentenalters an die Lebenserwartung für einen wichtigen Schritt zur Stabilisierung der Rentenversicherung, wenn noch weitere Schritte folgten.
Die Bundesbank argumentierte weiter, dass diese Anpassung nicht nur die Renten stabilisieren würde, sondern auch zu einer höheren Erwerbstätigkeit und damit schließlich zu einer Stärkung des gesamtwirtschaftlichen Potenzials führen würde.

Gut gemeinte Ratschläge, die auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung ausgetragen und umgesetzt werden sollen, während Bundesbanker als auch Politiker sowohl über unverhältnismäßig hohe Rentenbezüge verfügen, als auch unverhältnismäßig hohe Rentenansprüche erwerben, selbst wenn sie nur wenige Jahre im Amt waren. Da lässt es sich leicht über die Verlängerung des Renteneintrittsalters diskutieren.