9. Oktober 2019
Denys Sokolow

Als Touristenattraktion kennt man den roten Felsen, Ayer’s Rock, im australischen Outback seit fünfzig Jahren, als Monument der Aborigines, den Ureinwohnern Australiens. Dort war es üblich, den „Uluru“ wie ihn die Ureinwohner ehrfürchtig nennen, zu besteigen, um danach ein bedrucktes T-Shirt zu erwerben, das vom Kletter-Aufstieg Zeugnis ablegt. Mit Sprüchen wie: „ I climbed the Uluru“ (Ich habe den Uluru bestiegen). Doch nach und nach galt es als verpönt, den „heiligen Berg“ der Aborigines im Australischen Outback, im Northern Territory, zu besteigen. Nun ist dieses sogar ganz verboten, und die australische Regierung gibt damit den weltbekannten Monolith an die Ureinwohner zurück, die ihn seit Jahrhunderten verehren. Schätzungen zufolge entstand der Felsriese vor rund 550 Millionen Jahren. Er liegt im Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark, in dem sich auch die 36 roten Felskuppeln der Kata-Tjuta-Formation (genannt „The Olgas“) befinden. Wer dennoch meint, er müsse seinen Australien-Urlaub mit einem Kletterabenteuer am Ayer’s Rock krönen, auf den wartet eine saftige Geldstrafe von umgerechnet etwa 390 Euro, oder auch eine Gefängnisstrafe.

Schon 2017 hat die Verwaltung des Nationalparks rund um den Ayer’s Rock beschlossen, das Besteigen des roten Felsens zu verbieten, um auch ein Zeichen den Aborigines gegenüber zu setzen, für die der „Heilige Berg“ ein besonderes Wahrzeichen und Kultstätte zugleich ist. Da kann es nur störend und zugleich entwürdigend sein, wenn Touristen aus aller Welt ihre Abfälle auf dem gigantischen Sandsteingebilde zurücklassen als auch sogar ihre Notdurf dort verrichten, weil Toiletten natürlich nicht vorhanden sind. Schließlich ist Ayer’s Rock ein Unesco Kulturerbe und kein Spielplatz oder Freizeitpark wie Disneyland. So hatten es die Reisenden aber jahrelang verstanden und entsprechend sorglos sind Tausende von ihnen wegen des beeindruckenden Ausblicks auf den Berg geklettert, was wegen der gigantischen Temperaturen und dem strapaziösen Aufstieg ein besonderes Abenteuer darstellte. Der 360-Grad Rundumblick soll aber alle für ihre Mühen großzügig entschädigt haben, wie berichtet wird.

Am 25. Oktober ist Schluss. Dann darf niemand mehr den Ayer’s Rock besteigen. Bis dahin sammeln sich die Touristen in den naheliegenden Hotels und auf den wenigen Campingplätzen, die alle komplett überfüllt sind. Schließlich liegt Alice Springs, die nächste größere Stadt, etwa 450 Kilometer entfernt. Der Berg ist seit jeher Wahrzeichen des 5. Kontinents und wie schon gesagt, geschätzte 550 Millionen Jahre alt seit seiner Entstehung. Der 380 m hohe Gigant erhielt seinen Namen Ende des 19. Jahrhunderts vom britischen Forscher William Gosse, der ihn dem damaligen australischen Premierminister Sir Henry Ayers widmete. Nun naht also das Ende der Kletter-Reisen ins australische Hinterland (outback) und so wird es am Wochenende nach der Schließung des Berges in ca. 3 Wochen eine feierliche Zeremonie geben. Dann werden die Begrenzungen der Wander- und Kletterwege abgebaut und die Gedenksteine der Toten werden nach unten geholt. Die einzigen, die dann noch nach oben steigen dürfen, sind die Anangu-Aborigines, die allerdings unten in der roten Erde ihrer Vorfahren gedenken. So wird endlich Ruhe einkehren auf dem heiligen Monolithen aus rotem Sandstein.

Trotzdem ist das Verbot umstritten. Natürlich sagen viele, dass es richtig ist, den Bitten der Aborigines um Wahrung der religiösen Riten zu entsprechen. Immerhin gibt es etwa 700.000 Ureinwohner gegenüber 24 Millionen weißen Australiern. Und diese werden nach wie vor teilweise unterdrückt – wie man es bei Minderheiten überall in der Welt kennt. Dennoch sind viele Menschen der Meinung, dass es ein Grundrecht auf Besteigen des Ayer’s Rock geben sollte. Schließlich ist der Fels ein Naturprodukt und ohne rechtliche Besitzregelung. Auch viele Jüngere unter den Ureinwohnern haben kein Problem mit den Klettertouren. Ihnen ist das „Theater“ um das nationale Monument egal. Außerdem ist es äußerst gefährlich, den Giganten zu besteigen, da der Sandstein äußerst rutschig ist und es bis heute 37 Todesfälle bei Klettertouren gab. Das, so befürchten Kritiker, könnten jetzt einige mehr werden, wenn die Zäune und Begrenzungen abgebaut sind und nun die Heimlich-Ketterer kommen. Gerade nachts und bei Dunkelheit birgt der mystische Fels seine ureigenen Gefahren. Allein in diesem Jahr werden 400.000 neue Touristen am „Rock“ erwartet, für einen Ort mitten in der Wildnis, eine gigantische Anzahl. Da sind Probleme und Unfälle vorprogrammiert. Nun ja, bis zum 25.10. exakt 16.00 Uhr australischer Uhrzeit bleibt Zeit, um das Abenteuer Ayer’s Rock anzugehen oder abzusagen. Dann ist endlich Ruhe auf dem heiligen Fels.