21. August 2019
Anastasia Bergstern

Unsere Redakteure haben sich mal wieder auf die Reise gemacht und neue Welten erkundet. Gleich zwei Gruppen haben wir vor wenigen Wochen nach Spanien geschickt – an die Mittelmeer-Küste nach Denia, das zwischen Alicante und Valencia gelegen ist, und die zweite Gruppe zunächst nach Sofia, um im Anschluss die Schwarzmeerküste nahe Warna zu erkunden.

In unserem heutigen Reisebericht soll es sich ausschließlich um das osteuropäische Land Bulgarien mit seiner Hauptstadt Sofia und dem Küstenort Burgas drehen. Auf Sofia entfallen ca. 2 Mio. Einwohner von insgesamt 7 Mio. Bürgern bulgarienweit. Obwohl Bulgarien geographisch nicht viel weiter im Osten liegt als Tschechien, Polen oder Ungarn, so muss man doch feststellen, dass die Lage in dem kleinen Land schwierig ist… Aber der Reihe nach.

Anreise Berlin – Sofia

Wer bereits unseren Reisebericht nach Fuerteventura gelesen hat, der weiß, dass wir keine Fans der Billigfluglinie Ryanair sind und es auch dieses Mal nicht wurden. Auf dieser Reise sind unsere vier Redaktionsmitarbeiter von Berlin aus abgeflogen, aufgrund vorhergegangener Pressekonferenz zum Thema Klimawandel. Am Freitag sollte es dann endlich losgehen, die Koffer gepackt und auch sonst sollte alles gut vorbereitet sein. 4 Stunden vor Abflug trafen die Mitarbeiter mit ihrem Gepäck am Flughafen in Berlin Schönefeld ein. Kurz darauf ein Schock – der Pass eines Reisenden war abgelaufen. Doch in Deutschland stellt selbst dies kein größeres Hindernis dar, um nicht doch zu verreisen. Bei der Bundespolizei im Terminal 1 erhalten Passagiere, die diesen Notfall haben, einen „accident Passport“, einen Notfallreisepass gegen eine kleine Gebühr. Nachdem auch das letzte Hindernis innerhalb einer Stunde erledigt werden konnte, ging es zum Check-In-Schalter von Ryanair. Jeder Fluggast aus unserer Gruppe hatte genau eine Tasche, alles nach Vorschrift.  Ebenso waren alle Online eingecheckt, weil andernfalls Ryanair eine Check-In-Gebühr von bis zu 70 Euro verlangt. Aufgrund des Passvorfalls, wollte die Billigfluggesellschaft den Notfallpass erst nach langen Diskussionen akzeptieren und ebenso nur gegen eine Gebühr von 55 Euro. Gesagt getan, Gebühr bezahlt, ab durch die Sicherheitskontrolle, die nicht wie in Tegel mit Körperscannern durchgeführt wird, sondern weiterhin mit Metalldetektoren und rein in den ungemütlichen Ryanair-Flieger. Die Billig-Airline hat keine Verstauungsmöglichkeiten an den Rücksitzen und setzt gezielt Familien auseinander, um eine Sitzplatzreservierung „abzugreifen“, heißt, dass Familien, die zusammen sitzen möchten, vorher gegen Gebühr Plätze reservieren. Für uns steht fest: Nie wieder Ryanair.

Flughafen Sofia.

Angekommen in der bulgarischen Hauptstadt Sofia, warten die Berge des Witoschagebirge auf die Reisenden, ein übersichtlicher Flughafen und ausgefuchste Taxifahrer. Bei fünf verschiedenen Taxifahrten vom Flughafen zum Stadtzentrum lagen die Preise zwischen 13 Euro (Hoteltaxifahrer) und in der Spitze 20 Euro – also Welten dazwischen. In vier von fünf Fahrten wurden überflüssige Rundfahrten ohne das Einverständnis der Fahrgäste vollzogen. Unsere Empfehlung UBER. Die Mobilitäts-App dient nicht nur dem Taxiruf, sondern auch der fairen Preisgestaltung. Vor der Fahrt erhält der Fahrgast den Preis und kann auf unangenehme Überraschungen verzichten. Ebenso sollte auf eine Taxi-Uhr geachtet werden, allerdings ist auch die kein Garant gegen Betrug. Seit einigen Jahren sind bulgarische Taxifahrer dazu verpflichtet, am hinteren Bereich des Autos eine Preisliste mit Kilometer-Preisen anzubringen. Auch dort variieren die Preise zwischen 35 cent/Km und 1,50 Euro.

Sofia, die vielleicht traurigste Hauptstadt Europas

Wer in der 2. Mio Großstadt Sehenswürdigkeiten wie schöne Parks und Plätze, ein Kulturangebot oder ein kulinarisches Erlebnis sucht, der irrt. Auf der Suche nach Sehenswürdigkeiten sind wir der Löwenbrücke, dem Parlamentsgebäude, der Sofioter Universität „Hl. Kliment Ohridski“, der orthodoxen Kirche, Banja-Baschi-Moschee und einem Park begegnet. All diese Orte waren allerdings nicht den 2 stündigen Flug wert. Während Alkohol überall gestattet ist, sind Drogen, einschließlich Marihuana verboten. Sie aufzutreiben stellt kein größeres Problem dar, haben sich die Tester sagen lassen.

Das Bild auf den Straßen im Zentrum war eher schmutzig und wenig durchplant. Kaputte Straßen und Bürgersteige, sowie zerfallene Ruinen mitten im Zentrum der Stadt stellten eine bedrohliche Kulisse dar. Damit ist für uns Sofia die traurigste Hauptstadt Europas. Für die jeweiligen Übernachtungen auf dem Hin- und Rückweg wurde einmal das Lanel-Hotel (5 Sterne) für 120 Euro die Nacht und das Lion-Hotel (3 Sterne) für 120 Euro für 2 Nächte ausgesucht. Beide Hotels waren zufriedenstellend, allerdings ebenso nichts Besonderes. Zum Glück ging es schnell weiter ans Schwarze Meer. Aufgrund der geringen Größe des Flughafens in Sofia genügt es, 60 Minuten vor Abflug am Check-In zu sein, die Sicherheitskontrolle verläuft schnell und reibungslos.

Burgas ein Paradies am Schwarzen Meer

Von Sofia aus fliegen mehrmals täglich Airlines die Küstenstädte Burgas und Varna an. Unsere Tester haben sich für Burgas entschieden.

Der Flug dauert nur 45 Minuten mit der Bulgaria Airline, die in jeglichen Belangen Top-Noten verdient hat. Auf dem Kurzflug nach Burgas wurden kostenlos Getränke serviert und von Sofia nach Berlin, sogar zusätzlich ein Putenbrust-Sandwich. Die Crew machte auf allen Flügen einen freundlichen und motivierten Eindruck. Auch um Sitzplatz-Tausch mit anderen Passagieren wurde sich schnell gekümmert, anders als bei Ryanair. Bereits beim Landeanflug erkennt man das offene, weite Meer. Die Region rund um Varna ist ländlich und von Landwirtschaft geprägt. An der Küste reihen sich Apartment-Komplexe aneinander, auffällig ist, dass anders als beispielsweise an der Ostsee oder auf den Kanaren, sich keine Hotelkomplexe in der Strandnähe befinden. So ein Mietapartment nahmen dann auch unsere Tester, diese gibt es bereits ab 250 Euro pro Monat. Der Flughafen von Burgas befindet sich im wenige Kilometer entfernten Nachbarort Sarafovo. Ein Taxi in die Stadt kostet bis zu 10 Euro pro Fahrt. Der schönste Ort in Burgas befindet sich direkt an der Promenade ein mehrere Kilometer großer Park mit zahlreichen Skulpturen, Spielplatzen und Sitzmöglichkeiten bietet optimalen Raum, um mitten in der Stadt in der Natur zu sein. Der Park wird einerseits von der Stadt umschlossen, wo Restaurants, Sushi-Bars und Kneipen auf die Touristen warten – und andererseits vom Schwarzen Meer. Für eine Tagesgebühr von umgerechnet 3 Euro erhält der Sonnenanbeter einen Schirm, eine Liege mit Tisch und eine rund 8 Quadratmeter große Parzelle direkt am Strand. Auch Cocktails werden direkt am Strand serviert, von Mohito bis Tequila-Sunrise ist alles zu haben für Preise zwischen 2-4 Euro. Der Sandstrand in Burgas erinnert an karibischen, weißen Strand, während der Ort Sarafovo erst erschlossen wurde und weitaus schlechteren Sand zu bieten hat. Müsste man beide Strände benoten, erhielte der große Strand in Burgas die Note 2 und der in Sarafovo eine 3 Minus.

Verpflegung am Strand

Am Strand in Burgas befindet sich direkt unweit des Hafens das Restaurant Neptun. Von Fleisch bis Fisch über Suppen und Salate bis hin zu jeglichen Getränken kann der Besucher aus einem breiten, frischen und leckerem Angebot schöpfen. 4 Personen zahlen insgesamt rund 45 Euro für Getränke und Speisen. Während man die kilometerlange Promenade entlangschlendert, warten überall Sitzmöglichkeiten und kleine Stände, die Getränke und Eis verkaufen. Säuberungstrupps reinigen den Strand einmal morgens und abends, das macht sich bemerkbar. Die Preisstruktur ist insgesamt für Westeuropäer sehr gastfreundlich, Essen, Unterkunft und die Flüge, wenn man sie zeitig bucht sind sehr familienfreundlich und auch für den kleinen Geldbeutel machbar.

Unsere Empfehlung können wir für die Schwarz-Meer-Küste uneingeschränkt aussprechen, allerdings schneidet die Hauptstadt Sofia in unserem Text eher schlecht ab. Das Land erhofft sich nach wie vor einen Wirtschaftsaufschwung und das macht sich bemerkbar. Dies bringt Touristen mit einem starken Euro allerdings auch Vorteile, man bekommt sehr viel für sein Geld. Die Mentalität der Bulgaren ist sehr unterschiedlich, sie reicht von listig bis freundlich, wie der aller Europäer.