OneCoin ist nicht Bitcoin
20. August 2019
Denys Sokolow

Noch im April machten Meldungen die Runde, China wolle den Bitcoin verbieten. Die chinesische „National Development and Reform Commission (NDRC)“ hatte zwar das Bitcoin-Mining als eine Industrie bezeichnet, die „eliminiert“ werden müsse. Mehr als 50 Prozent des weltweiten Bitcoin-Mining findet aktuell in China statt. Jedoch spiegelte die Meldung eher einen Wunsch wider, denn für weitergehende Schritte fehlte die Rechtsgrundlage. Aktuell wächst in China die Nachfrage nach Kryptowährungen rasant. Eine immer schwächere Landeswährung und der eskalierende Handelsstreit mit den USA treiben immer mehr Investoren aus der Volksrepublik in digitale Zahlungsmittel, zitiert das Manager-Magazin Marktteilnehmer von Asien bis zur New Yorker Börse. Obwohl schon das Prinzip von Kryptohandel kaum Schlüsse über den Umfang zulässt, verzeichnen doch Börsenbetreiber und Broker deutliche Zuwächse auf von Chinesen genutzten KryptoHandelsplätzen.

Ein sinkender Yuan und die Auswirkungen der US-Zölle auf die chinesische Wirtschaft veranlassten einige größere Investoren, Geld in Kryptowährungen umzuschichten, berichtet Andy Cheung. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt befindet sich durch den Showdown mit Donald Trump in schwierigem Fahrwasser, schildert der Leiter der unter Chinesen beliebten Plattform OKEx in Malta weiter.

Die Industrieproduktion wuchs im Reich der Mitte zuletzt so langsam wie seit 17 Jahren nicht mehr. Derweil bewegt sich der Yuan-Kurs seit Wochen talwärts. Anfang August übersprang der Dollar erstmals seit 2008 die psychologisch wichtige Marke von sieben Yuan – was Peking aus Washington den Vorwurf der Währungsmanipulation eintrug. Der Bitcoin, das älteste und noch immer wichtigste Kryptogeld, legte während des Yuan-Abstiegs um sieben Prozent zu. Kryptowährungen steigerten gleichzeitig ihre Marktkapitalisierung um neun Prozent.

Experten spekulieren indes, ob einige chinesische Investoren Yuan in digitale Währungen eintauschten. Sowohl im weltweiten Maßstab als auch in China und Hongkong berichtet Mati Greenspan, Analyst bei der Börse eToro, von einem sprunghaften Anstieg beim Volumen aller Kryptowährungen auf der Handelsplattform von eToro.

Belege, ob die Käufe wirklich von chinesischen Investoren stammen, muss Greenspan schuldig bleiben. So erlaubt die Blockchain-Technologie zwar Verfolgung digitaler Brieftaschen. Transaktionsort von Überweisenden und Zahlungsempfängern bleiben dabei geheim. Zudem hat 2017 die chinesische Regierung Kryptoplattformen verboten. Datenerhebungen sind deshalb in diesem Sektor Mangelware. Strenge Kapitalkontrollen lassen den Chinesen nur noch wenige Möglichkeiten, Geld ins Ausland zu transferieren.

Diese Gesetzeslage macht Kryptowährungen in der zweitgrößten Wirtschaftsmacht attraktiv. Das Börsenverbot hielt die chinesischen Marktteilnehmer jedenfalls nicht von Cyberdevisen fern, es verlagerte lediglich den Handel. Marktteilnehmer lassen wissen, der größte Teil des chinesischen Kryptohandels habe sich seitdem verlagert: auf alternative Handelsplätze sowie auf Chatgruppen des Messengerdienstes WeChat.

Von einer Verdopplung des chinesischen Handelsvolumen während der letzten drei Monaten spricht Jehan Chu, einer der verantwortlichen Manager des in Hongkong ansässigen Kryptofonds Kenetic. Anleger profitieren von der Möglichkeit, mit Arbitrage-Handel zwischen Yuan, Hongkong-Dollar und der Kryptowährung Tether Gewinne zu realisieren. Dabei machen sie sich Kursunterschiede an verschiedenen Börsen oder Märkten zunutze.

Der Hongkong-Dollar ist lose an den US-Dollar gekoppelt, Tether ist ein sogenannter Stablecoin mit fester Kursbindung an den US-Dollar. Während chinesische Börsenhändler im gesamten Vorjahr Transaktionen in Höhe von 18 Milliarden Dollar mit Tether tätigten, waren es bis Juni 2019 bereits 10 Milliarden Dollar, besagen Daten der Analysefirma Diar.