24. Juni 2019
Denys Sokolow

Immobilien sind sicher, Immobilien sind einfach da und scheren sich nicht um den Aktienkurs. Immobilien sorgen für sicheres Einkommen, denn wohnen muss ein jeder. Vermiete Immobilien galten Altersanlegern bislang als beständige und rentable Wertanlage. Doch die sollten die Augen offenhalten, ob das so bleibt. Der Mietendeckel in Berlin war der vorerst letzte Streich. Vermietende Eigentümer bekommen derzeit Einschränkungen so zahlreich aufgebürdet, dass diese Form der Altersvorsorge bald ausgedient haben könnte.  Mittlerweile dürfen Vermieter die Mietpreise nicht mehr frei festlegen und Kosten für Modernisierungen nicht mehr umlegen wie bisher. Mieterhöhungen sind kaum noch möglich,  in Berlin sowieso nicht. Die SPD diskutiert derzeit, auch noch die Grundsteuer aus den umlegbaren Kosten herauszunehmen. Dann schwindet Vermietern die Chance auf eine angemessene Rendite.

Diese Aussichten könnten in auflebende Aktienmärkte führen, wenn freie Gelder eine rentablere Anlagemöglichkeit suchen. Die Idee hinter der Verliebtheit in Immobilien ist schnell umrissen: Was einen inneren Wert hat, verliert diesen nicht. Daraus folgt: Sachwerte seien Geldvermögen vorzuziehen. Denn steigt die Inflation, steigen auch die Preise für Sachwerte. Papiergeld kann hingegen wertlos werden, Geldvermögen bringt praktisch keine Zinsen und büßt selbst bei niedriger Inflationsrate mit der Zeit seine Kaufkraft ein. So weit, so plausibel.

Finanzcrashs kommen jedoch so selten vor, dass Anleger sie gelassen betrachten können. Moritz Schularick, Wirtschaftsprofessor an der Universität Bonn, ist der Rendite verschiedener Anlageformen auf den Grund gegangen. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern verfolgte er Preis- und Kursdaten aus 16 Ländern bis zu 150 Jahre in die Vergangenheit zurück. Die Daten erlaubten den Vergleich der Renditen von Aktien und Immobilien und anderen Anlageformen. Das Ergebnis überrascht: In den knapp 150 Jahren seit 1870 erzielten Immobilien eine höhere Durchschnittsrendite als Aktien.

Auf die sehr lange Frist betrachtet punkteten Immobilien im Durchschnitt aller 16 Länder mit einer Wertsteigerung von etwa 7,8 Prozent pro Jahr. Aktien brachten eine Rendite von 6,9 Prozent jährlich. Alle anderen Anlageformen zeigten enttäuschende Ergebnisse: Anleihen bewegten sich zwischen 1,5 bis 2 Prozent. Ganz unten rentierten Bankeinlagen mit 0,3 Prozent Rendite.