12. Juni 2019
Anastasia Bergstern

Jahre lang kannten die Immobilienpreise nur den Aufwärtstrend, vor allem in Ballungsräumen. In nächster Zeit dürften verschiedene Parameter etwas Wind in die Immobilienpreise bringen.

Die griechische Staatsverschuldung und die daraus resultierende Eurokrise machten den Anfang: Der seither verankerte Niedrigzins schützt zwar die Kleinsparer vor den Wellen der Inflation, bringt sie aber dennoch um die Früchte ihrer Ersparnisse. Immobilien waren da lange Zeit die sichere Bank, welche bei stagnierendem Nullzins immer noch Steigerungen und Renditen versprachen. Trotz minimaler Zinsveränderungen auf ausländischen Märkten sind da auch mittelfristig gesehen keine Veränderungen zu erwarten. Allerdings geraten mittlerweile andere Parameter in Bewegung. Die lassen geraten scheinen, die Entwicklung speziell der Immobilienpreise im Blick zu behalten.

Trotz immer noch vorherrschendem Wohnungsmangel in Ballungsräumen, führten hohe Preissteigerungen zu politischen Mobilisierungen. An deren Ende stand zuletzt das Volksbegehren zur Enteignung großer Akteure im Stadtstaat Berlin. Selbst wenn dieses erwartbar erfolglos bleiben dürfte, sorgte es bundesweit für großes Aufsehen und sandte einen lauten Ruf an die Wohnungswirtschaft. Mietsteigerungen stehen derzeit auf breiter Front im Fokus und bringen das Thema in nahezu allen Medien zu hoher Aufmerksamkeit. Es deutet darauf hin, dass in naher Zukunft eher mit geringeren Renditen zu rechnen ist – schon zur Beruhigung der Lage. In der 23. Kalenderwoche wurden Pläne des Senats von Berlin zur Deckelung bei Wohnungsmieten bekannt und lösten bei Aktionäre von Wohnungstiteln weitere Alarmstimmung aus. Der Kurs der „Deutsche Wohnen“ rutschte um fast 8 Prozent in den Keller, Mitanbieter Vonovia büßte annähernd 5 Prozent ein. Auch Aktien anderer Wohnungsunternehmen wie Ado Properties und Adler Real Estate beteiligten sich mit 7 Prozent an der Talfahrt, verglichen mit dem morgendlichen Handelsbeginn am 6. Juni. Der Freitag setzte den Druck auf die Wohnungsaktien fort. Die Steigerungsperspektiven könnten damit ein vorläufiges Ende erreichen. Am längerfristigen Abknicken der Kurve dürfte sich selbst dann nichts ändern, wenn einige Anbieter noch vor dem vorgesehenen Stichtag die Mieten erhöhen. Allein Büromieten versprechen derzeit noch Luft nach oben.

Impulse gibt die Spekulationsgesetzgebung auf Aussichten zu weiterer Bewegung. Im Herbst 2009 begann die Griechenland-Krise. Wer nach „Lehmann“ zu Beginn der griechischen Erschütterung des Finanzmarktes auf die sichere Seite in Immobilien investiert hat, hätte ab Herbst 2019 die 10 Jahre hinter sich, um die Objekte frei von Spekulationssteuern mit Gewinn verkaufen zu können: Bei unklarer Weiterentwicklung der Preise eine interessante Überlegung. Damit stiege das Angebot, was weiteren Druck auf die Preise bewirken könnte.

Aufmerksamkeit ist gefragt. Investoren sollten den Blick weiten, ob nicht andere Geschäftsfelder sicherere Anlagen oder höhere Renditen versprechen. Gerade die Energiewende scheint da noch immer eine Vielzahl von zukunftsfähigen Möglichkeiten bereit zu halten, von nachhaltiger Erzeugung über intelligenten Verbrauch bis zur Speicherung. Potenziale stecken ebenfalls in der Verkehrswende, wenn die Städte ernst mit der Klimawende machen wollen und Lebensqualität in die Zentren zurückholen wollen. Als ganz sicherer Hafen bleibt auch Gold weiterhin attraktiv.