17. September 2018
Denys Sokolow

Besser kann es für Google und Facebook nicht laufen: Sie sind unangefochten die wichtigsten Meinungsmacher- und multiplikatoren des WorldWideWeb, was sie befähigt, die Meinungen und Gedanken der Nutzer zu manipulieren und zu steuern. Das ist ein sehr gefährlicher Trend, den Milliarden von Usern überhaupt nicht wahrnehmen, stattdessen blauäugig und naiv die Vorgaben, Empfehlungen und Anregungen ungefiltert aufnehmen, weitergeben und verinnerlichen. Jetzt zeigt ein neuer Dokumentarfilm aus den USA, wie die Daten-Giganten Google und auch Facebook die Gedanken der Kunden gezielt steuern und sogar Wahlen beeinflussen können.

„The Creepy Line“, die Gruselgrenze, ist eine Doku, die den Menschen die Augen öffnen soll und aufzeigt, wie Suchmaschine und Soziales Netzwerk unser Leben beeinflussen können. Von einem Schattenimperium ist die Rede, welches unsere demokratischen Grundregeln außer Kraft setzen kann. Dabei kann man es sich gut vorstellen, dass Google seine Besucher im Netz durchaus manipuliert. Alleine dadurch, welche Informationen auf Seite 1 der Googlesuche preisgegeben werden, wenn ein bestimmter Suchbegriff eingegeben wird. Es wird kein neutrales, objektives Informationsbild vermittelt, sondern die subjektive Meinung der Google-Macher, die bestimmen, welche Informationen an erster Stelle stehen und genannt werden. Neutral wird die Google-Suche erst dann, wenn der Einzelne sich die Mühe macht, wirklich alle Suchergebnisse aufzurufen und zu lesen. Doch dafür fehlt Zeit und Geduld – bei mehreren tausend Definitionen. Primär kann man also davon ausgehen, dass die Nutzer der Suchmaschine die Ergebnisse eines Filter- und Ranglistensystems, abgeleitet von einem Algorithmus, zu sehen bekommen, eventuell sogar das, was die Datenanalysten als wichtig und richtig erachten und somit diesen Inhalte oberste Priorität geben. Der User erkennt natürlich nicht, dass nur ein subjektives Meinungsbild statt eines objektiven den Informationen zugrunde liegt. Nur, wer einen „Fakten-Check“ durchführt, könnte deutliche Unterschiede in Meinung und Aussage feststellen, was aber laut neuesten Studien nur 10 Prozent aller Suchenden tatsächlich machen.

Wahlergebnisse können massiv beeinflusst werden

Durch beliebiges Manipulieren von Filtern und Ranglisten hat Google die Macht, beispielsweise politische Kandidaten an die Spitze zu bringen oder fallen zu lassen.  Man nimmt sogar an, dass beide zusammen, also Facebook und Google, ein Wahlergebnis um 10% in eine Richtung verschieben können, so Harvard-Psychologe Robert Epstein. Dabei bemerken die Menschen zum Großteil gar nicht, dass sie beeinflusst wurden und ihre Meinung in eine bestimmte Richtung gelenkt wurde. Die Berliner Reputationsagentur RH Reputation GmbH, die den Einfluss des Internets auf Kundenmeinungen untersucht, geht sogar so weit zu behaupten, dass Google die Macht hat, durch das Auswerten von Milliarden Online-Suchen die politischen und persönlichen Tendenzen seiner Kunden zu erkennen und zu lenken, und im schlechtesten Fall sogar politisch zu nutzen. Damit könnte jeder 4. Wahlausgang außerhalb der USA bereits jetzt schon von Google bestimmt werden. Dass demokratische Grundregeln sogar außer Kraft gesetzt werden können durch den großen manipulativen Einfluss, das ist bei Insidern schon lange kein Geheimnis mehr.

Konsumverhalten will jeder analysieren

Ob es legitim ist oder verboten, zumindest aber verwerflich, wenn man aus den Erkenntnissen der (heimlichen) Analysen Rückschlüsse auf das Kaufverhalten schließen kann, bleibt dahingestellt. Auf jeden Fall ist es ein riesiger wirtschaftlicher Vorteil für denjenigen, der über Kaufambitionen, Interesse und Geschmack von Milliarden Konsumenten verfügen kann. Wie in dem Film dokumentiert wird, soll es spezielle Kontrollräume im Headquarter von Google in Kalifornien geben, wo die Gedanken der User gesteuert werden und das Konsumverhalten gelenkt wird. Dass ganze Industriezweige davon profitieren können – andere dafür nicht – verzerrt den Wettbewerb.

Auf der anderen Seite können beispielsweise politische Nachrichten unterschlagen werden und damit den politischen Prozess beeinflussen. Wenn man Facebook als Multiplikator nutzt, kann man auch dort gutgläubige und naive Nutzer in hoher Anzahl von einer Sache überzeugen, die vielleicht gar nicht so ehrenwert ist. In Sachen Produktwerbung machen die „Influencer“ nichts anderes, als den Followern Trends vorzugeben. Ohne Frage greifen die Technologie-Riesen immer tiefer in unser Leben ein, wie Matthew Taylor, der Produzent des Films sagt. Gefährlich wird so etwas, wenn die persönliche Meinung des Einzelnen in den Hintergrund tritt. Die Kontrolle dieser scheinbar neutralen Technologie-Plattformen ist eher oberflächig, so dass Menschen beliebig gefügig gemacht werden können. Darin besteht eine Gefahr der unerlaubten Meinungsmache, die aber noch ungenügend reguliert ist. Zu guter Letzt sollte jeder Internetuser wissen, dass alle Sucheingaben auf ewig gespeichert bleiben und immer als Informationsressource abgerufen werden kann – letztendlich um unser Nutzerverhalten bei Bedarf zu beeinflussen.