22. Juni 2018
Gabriela Litzenburg

Die Digitalisierung sorgt branchenübergreifend für Veränderungen, auch der Edelmetallmarkt ist davon betroffen.

Dr. Manuela Diehl spricht im Interview mit Constantin Behr, Geschäftsführer der Golden Gates Edelmetalle GmbH über die Digitalisierung und Zukunft des Edelmetallmarktes.

 

Dr. M. Diehl: Im Vertrieb neue Wege gehen, digital akquirieren und analog verkaufen, lautet das Motto Ihrer Firma. Wie funktioniert das konkret?

Constantin Behr:

„Digitalisierung“ ist ein großes Thema, aktuell in jedem Unternehmen. Wir haben ein ganz klassisches Produkt – Gold- das man anpassen kann und schwierig digitalisieren kann. Deshalb sagen wir, Golden Gates Edelmetalle akquiriert digital über unsere Webseiten und andere Onlineservices, damit wollen wir ein Interesse an Gold schaffen, aber der klassische Goldverkauf findet persönlich statt, meist mit ausgebildeten Vertriebspartnern.

 

Dr. M. Diehl:

Gibt es bei Ihnen auch das klassische Tafelgeschäft?

Constantin Behr:

Das gibt es bei uns ebenfalls und das regional an unserem Hauptsitz in Görlitz. Dort haben wir einen Laden mit einem Showroom, wo man sich Gold anschauen kann, in sämtlichen Barrengrößen. Dort kann man das erworbene Gold direkt mitnehmen.

 

Dr. M. Diehl:

Im Tafelgeschäft dürfen Käufer lediglich bis zu einem Wert von 10.000 Euro Gold ohne persönliche Verifizierung erwerben. Diese Grenze ist ein Ergebnis eines Gesetztes gegen Geldwäsche. Ist Golden Gates Edelmetalle davon betroffen?

Constantin Behr:

Zuvor waren es 15.000 Euro, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, und im vergangenen Juni wurde die Grenze auf 10.000 Euro herabgesetzt. Dies betrifft uns eher weniger, weil die meisten, die anonym kaufen wollen, kommen natürlich nur mit Beträgen von unter 10.000 Euro. Nach meinen Erfahrungen haben nur die wenigstens Kunden ein Problem damit sich auszuweisen. Wir sind bei der Datenverarbeitung sehr transparent. Die Kundendaten bleiben bei uns, wir müssen nur feststellen wer das Gold dann eben gekauft hat.

 

Dr. M. Diehl:

Herr Behr, in wie weit sind sie von der neuen Datenschutzverordnung (DSGVO) betroffen? Sie haben einen großen Kundenstamm von 15.000 Personen, in mehr als 11 Ländern vertreten, sie haben 2000 Vertriebsmitarbeiter – wie groß ist die Herausforderung der neuen Verordnung für Golden Gates?

Constantin Behr:

Es war eine Menge Arbeit die Verordnung zeitgemäß umzusetzen. Wir sind mit der DSGVO-Umsetzung bei uns fertig. Die Herausforderung bestand in der Internationalisierung, durch die zahlreichen Kunden und die vielen Vertriebspartnern, aber insgesamt war die meiste Arbeit von organisatorischen Maßnahmen geprägt. Da wir im Vorfeld bereits alles was technisch möglich war – zum Schutz der Daten – umgesetzt hatten. Jetzt kam nur noch dazu die ganzen Dokumentationen, die gefordert werden im Rahmen der DSGVO. Jetzt bleibt abzuwarten, ob es rechtliche Änderungen geben wird und wir etwas anpassen müssen. Wir sind auf alles vorbereitet.

 

Dr. M. Diehl

Zweimal hintereinander erhielten Sie die Focus-Auszeichnung „Wachstumschampion“. Jetzt wurden Sie von der Financial Times zu einer der schnellst wachsenden europäischen Firmen gekürt. Bleiben Sie auf Expansionskurs oder setzt jetzt die Konsolidierungsphase ein? Wie groß wird Golden Gates Edelmetalle noch?

Constantin Behr:

Wir wollen wachsen und das auch weiterhin. Wir haben die besten Vorrausetzungen im Hintergrund dafür geschaffen, das wir auch wachsen können. Und vor allem gesund wachsen können. Ich sehe das größte Wachstum in den Kernmärkten Deutschland und Österreich, weil wir dort den Vertrieb immer mehr optimieren. Und auch unsere Produkte und Prozesse optimieren. Wir wollen weiterhin mehr Transparenz für unsere Kunden schaffen – unsere Kunden erhalten zudem eine App für Ihr Smartphone.

 

Dr. M. Diehl:

Eine Neue App mit der man direkt bei Ihnen Gold bestellen kann?

Constantin Behr:

Im ersten Schritt wird der Kunde zunächst einmal sehen, was er bei uns bereits für Edelmetalle erworben hat, wie viel er dafür bezahlt hat und wie sich der Wert entwickelt. Damit wollen wir mehr Transparenz für den Kunden schaffen, damit weiter das Vertrauen in uns stärken. Im zweiten Schritt werden wir die Golden Gates-App weiterentwickeln und für Vertriebspartner erweitern, um ihnen eine Möglichkeit zu geben, darüber mit den Käufern zu kommunizieren. Da sind wir dann bei dem Thema Digitalisierung, wovon wir uns natürlich weiteres Wachstum versprechen.

 

Dr. M. Diehl:

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Behr.