20. Juni 2018
Denys Sokolow

Wer die „alte CEBIT“ in Hannover noch kennt – eine kühle, sachliche Business-Messe ohne Eleganz und neuzeitliche Coolness – der konnte sich in diesem Jahr vom 11.-15. Juni vom neuen Konzept der Messe überzeugen. Die größte IT-Messe Europas hat sich quasi neu erfunden, um viel mehr jüngere Gäste und Interessenten auf das Messegelände zu locken. Eine Art hippes Festival stellt das neue Messe-Konzept dar, bei dem Unterhaltung, Entspannung und legere Start-up-Mentalität besonders die jüngere Zielgruppe anlocken soll. Denn der Besucherrückgang der letzten Jahre und Jahrzehnte hat den Verantwortlichen zu denken gegeben und die Einsicht gebracht, dass das alte Konzept nicht mehr funktionierte. Zu sachlich, zu unpersönlich und veraltet war der Auftritt von Händlern, Showelementen und Informationsaustausch, der letztendlich alle Beteiligten mehr ermüdete als zu entertainen.

Der Zuschauerschnitt von etwa 200.000 Personen im letzten Jahr war viel zu wenig, wenn man bedenkt, dass die Technikmesse in Spitzenzeiten 800.000 Menschen in die niedersächsischen Messehallen gezogen hatten. Das war dann wohl das endgültige Signal für den Aufbruch, einen Relaunch oder ein „Reinventing“ bei dem das Messekonzept einen komplett neuen Aufhänger bekommen sollte. Auch der Wechsel des Veranstaltungsdatums von März auf Juni soll langfristig dazu beitragen, dass das hoffentlich gute Wetter positiv auf die Stimmung der Besucher und Interessenten einwirkt und auch neue Besuchergruppen anlockt. Geplant war, dass man keine Messe im alten Stil mehr besucht, sondern ein „Business-Festival“, dass dem Anspruch und dem Wandel der Gegenwart entspricht. Dort, wo Konventionen und straffe Regeln beiseitegelegt werden und die Besucher und auch Firmenkunden ein Gefühl von Authentizität, Gefühle statt trockene Geschäfte übermittelt bekommen, in einem Rahmen, der zeitgemäß und nicht antiquiert ist. Der erste Eindruck vor Öffnung der Messetore war auf jeden Fall positiv, weil die Vermittlung des neuen Messekonzeptes eine Menge neuer Aussteller angelockt hat, die nun die Chance sehen, dass auch die richtigen Kunden zu den richtigen Themen erscheinen und die neu strukturierten Zielgruppen die Wohlfühl-Atmosphäre nutzen, um sich für neue digitale Themen zu interessieren und sich über diese zu informieren.

Nachdem die Technikmesse mittlerweile wieder geschlossen ist, kann man durchaus ein positives Fazit ziehen. Laut niedersächsischer Taxi-Innung sind wesentlich mehr Fahrten von und zum Messegelände gebucht worden als im vergangenen Jahr, was belegt, dass neue Zielgruppen zu einem Besuch dort angeregt wurden. Denn schnell hatte sich herumgesprochen, dass die CEBIT nun auch ein Ort zum chillen und relaxen geworden ist, mit attraktiver Live-Musik, Street-Food und Entertainment. Sogar ein Riesenrad wurde aufgestellt, welches den Festival-Charakter unterstützen sollte. Das alles wurde sehr gut vom Publikum angenommen, und die Messeleitung sieht sich auf dem richtigen Weg, das Konzept in Zukunft weiter zu verfolgen. Denn stets war die CEBIT ein großes Medium, um neueste Trends und Technologien, Themen wie künstliche Intelligenz, Blockchain oder Virtual Reality aus erster Hand an die weite Welt zu übermitteln. Dieser Anspruch soll auch in Zukunft beibehalten werden, so dass Hannover im Juni alljährlich Treffpunkt für hippe Technikfreaks, Studenten, Business-People und MythBusters (Wissensjäger) sein wird. Eine riesige Open-Air-Abschlussparty soll wie in diesem Jahr dann alle Technikbegeisterten noch einmal zusammenführen um einen gemeinsamen Spirit zu zelebrieren. Also, auf in die Zukunft der CEBIT 2019.