15. März 2018
Gabriela Litzenburg

Es geht mittlerweile um weit mehr als um die Rolle Russlands als Ausrichter bei der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer. Russland polarisiert und spaltet die Lager von Fürsprechern und Gegnern einer WM-Beteiligung, da unter der Führung Putins Verbrechen an der Menschlichkeit, Kriegstreiberei, Spionage und Völkermord an Kindern heftig diskutiert werden. Wir sprechen von den Syrien-Massakern, den Gift-Anschlägen gegen Exil-Russen, die Provokationen gegen die USA und permanente Drohgebärden gegen alle und jeden. Jetzt müssen von der restlichen Welt klare Zeichen gesetzt werden, sonst meint der Kreml-Führer, er könne die Welt zu seinem Spielball machen und Gesetze umgehen und Menschenrechte mit Füßen treten. Der ehemalige Nato-Generalsekretär Rasmussen bringt diese Problematik auf den Punkt:“ Die freie Welt muss Putin zeigen, dass diese feindlichen Taten ernste Konsequenzen haben, sonst wird er weiterhin Europa und die USA als seinen Spielplatz behandeln.“ Aus diesem Grund überlegen einige Nationen bereits, die Fußball-WM im Land des Despoten zu boykottieren und dem uneinsichtigen Tyrannen so zu zeigen, dass ein Verzicht auf die Weltmeisterschaft ein klares Signal an Russland ist.

Besonders Großbritannien kocht vor Wut und plant einen Boykott, da Theresa May, die britische Premierministerin, sich von Russland angegriffen fühlt bezogen auf die Giftanschläge an in England lebenden Exilrussen. Dabei geht es um weit mehr als um Fußball, es geht um eine Attacke auf einen Nato-Partner, die militärische Interventionen zur Folge haben könnte. So stellt sich tatsächlich im Moment die Frage, ob der Giftgas-Anschlag den Bündnis-Fall auslösen kann. Dann drohen empfindliche Sanktionen gegen Russland, welche auch in einen Fußball-Boykott münden könnten. Die Briten jedenfalls denken darüber nach, während der Deutsche Fußballbund unter seinem Präsidenten R. Grindel derzeit noch einen Boykott ausschließt. Aber hier ist das letzte Wort garantiert noch nicht gesprochen. Dabei hat Russland bereits in der Vergangenheit einen Sport-Boykott bei den olympischen Spielen 1980 zu verantworten gehabt. Der britische Außenminister Boris Johnson jedenfalls teilte mit, dass er sich eine Beteiligung seiner Fußballer bei der WM 2018 unter den gegebenen Umständen nicht vorstellen kann. Und wir alle wissen, der Boykott einer Fußball-Nation wie England könnte eine Lawine loslösen, in deren Sog auch andere Länder ihre Teilnahme absagen. Dieser Schaden für den Sport und für das Stimmungsverhältnis zwischen Russland und dem Rest der westlichen Welt könnte irreparable Folgen haben. Auf Drohungen wie denen von Theresa May haben die Russen bereits adäquat reagiert und durch Kreml-Sprecherin Maria Zackharova mitgeteilt:“ Einer Atommacht wie Russland sollte niemand drohen.“ Solche Aussagen beinhalten schlimmste Vermutungen und zeigen uns, dass man den „russischen Bären“ nicht über die Maße reizen sollte, selbst wenn der sich verschiedener Verbrechen und Gesetzesbrüche schuldig gemacht hat. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass der DFB-Präsident den Ball noch flachhält, und mitteilt: „Der DFB setzt auf Dialog und nicht auf Boykott.“  Doch lassen sich solche Greueltaten wie die von Putins Schergen wirklich tolerieren? Es geht um die Besetzung und Annexion der Krim, es geht um die Bombenangriffe auf die syrische Zivilbevölkerung und um wiederholte Giftmorde von Regimegegnern.

Was sagen die Sponsoren?

Sport und speziell Fußball lebt von der Unterstützung von Sponsoren, meist Großkonzerne wie Coca-Cola, Daimler, Gazprom oder McDonalds. Wenn diese sich moralisch verpflichtet fühlen, ihre Teilnahme bzw. Unterstützung dieses Großereignisses abzusagen, dann kann dieses durchaus zu einer Kurzschlussreaktion im Kreml führen und wir hätte es dann mit einer weltweiten Krise zu tun, an deren Ende nukleare Waffen sprechen. Nicht vorzustellen, was das bedeutet. Deshalb ist Besonnenheit hier oberste Pflicht – für alle Beteiligten. Die Sponsoren halten sich mit Äußerungen derzeit bedeckt, was sicherlich richtig ist. Denn wie die Winterspiele in Südkorea gezeigt haben, kann der Sport am Ende deeskalierend und völkerverbindend wirken. Und genau das wird in einer schwierigen Situation wie dieser nötig sein.