9. März 2018
Gabriela Litzenburg

Wem soll man jetzt die Schuld geben für ein stetiges Anwachsen von Kinderarmut: Den Eltern, die den Kleinen die Misere eingebrockt haben oder dem Staat, der sich für Kinder, die an der Armutsgrenze leben, nicht richtig stark macht? Fest steht nach aktuellsten Erhebungen, dass 1,7 Mio. Kinder unter 15 Jahren so wenig Geld mit ihren Familien haben, dass sie sich nur das Allernötigste leisten können und dabei noch auf die Hilfe des Staates angewiesen sind. In einer reichen Industrienation wie Deutschland, wo es vielen Flüchtlingen und Migranten wirtschaftlich besser geht als der eigenen Bevölkerung. Die Kinder der Hartz IV-Familien leiden unter der elterlichen Situation, haben kaum das Geld für Schul- oder Kitaausflüge, von Geschenken zu Weihnachten oder Geburtstag ganz abgesehen. Die traurige Wahrheit lässt sich in Zahlen und Regionen bestens ausdrücken und überprüfen.

Es sind beschämende Zahlen, die den Lesern deutscher Tageszeitungen aktuell geliefert werden. Es gibt beinahe 2 Mio. Kinder in unserem Land, die an der Armutsgrenze leben und die davon träumen, sich einmal mit ihrem Lieblingsessen oder den Lieblings-Süßigkeiten den Magen vollschlagen zu können, einmal nach Herzenslust schlemmen zu gehen oder auch nur einmal im Jahr für ein paar Tage oder 1 Woche in einen richtigen Urlaub zu fahren. Schuld sind die Eltern, oder besser gesagt die finanzielle Situation der Eltern, die keinen Spielraum lässt für „Sonder-Ausgaben“ wie Urlaub, Kino oder Geburtstagsparties. Dazu gibt es nun eine regionale Übersicht, in welchen Bundesländern und welchen Städten die größte Armut herrscht bei Kindern unter 15 Jahren. Die in den besten Kinderjahren sind und dennoch mit vielen Entbehrungen leben müssen, die Millionen anderer Kinder aus reichen Familien nicht kennen. Das Ruhrgebiet mit seinen Städten Dortmund, Essen, Duisburg und Gelsenkirchen liegt dabei an der Spitze eines Hartz IV-Atlas‘, der das Elend beim (Städte)-Namen nennt. Westliche Bundesländer und deren Städte wie Hagen, Mönchengladbach, Bremen und Offenbach stehen dabei noch vor den neuen Bundesländern, wo nur Halle a.d. Saale Erwähnung in dem Traurig-Ranking findet. In Sachsen-Anhalt z.B. lebt sogar jedes 4. Kind von der Stütze, so dass es selbst am Nötigsten wie Malstifte- oder Blocks, Fußballschuhe oder wettergerechte Kleidung fehlt. Insgesamt kann man davon ausgehen, dass in Deutschland jedes siebte Kind, was 15,6% aller Kinder bedeutet, auf Hilfe vom Amt angewiesen ist. Die Zahlen steigen, denn letztes Jahr lag die Quote noch bei 15,3%. Mögliche Ursache ist der Zuzug von Migranten, die oft mit kinderreicher Familie einreisen. Sahra Wagenknecht von den Linken hat es seinerzeit trefflich formuliert: „Hartz IV bedeutet knallharte Armut, unter der unsere Kinder leiden.“ Da ist es an der Zeit, dass die Politik Maßnahmen erarbeitet, um den Armutskindern eine halbwegs gleichberechtigte Kindheit zu gewährleisten. Lediglich in Bayern ist die Armutsrate unter Kindern bis 15 Jahren mit 7,5% noch recht erträglich.

Wenn die Sprache dann zur Kindergelderhöhung kommt, bringt dies laut Grünen-Politikerin Katja Dörner den armen Familien rein gar nichts, weil jeder Euro, der zusätzlich reinkommt, z.B. auf das ALG II (Arbeitslosengeld II) angerechnet wird. Stattdessen wird die Forderung nach einer Kindergrundsicherung laut, damit eine Gleichbehandlung unter allen Kindern gewährleistet wird. Schließlich haben unsere Kleinen selbst keinen Anteil an der miserablen Lebenssituation, in der sie hineingeboren worden sind. Bis zu 309 Euro beläuft sich der Anspruch von Kindern auf Unterstützung – ein Betrag, der nicht viel Spielraum lässt für alle notwendigen und kindergerechten Anschaffungen.