21. Februar 2018
Denys Sokolow

Die Insel Fuerteventura gehört geografisch zu Afrika, verwaltet wird sie allerdings von der Spanischen Krone und gehört mit ihren Nachbar-Inseln Gran Canaria und Lanzarote zur Provinz Las Palmas. Die Inselregierung bildet Präsident Marcial Morales Martín von der Partei Coalición Canaria.

Wir haben unseren Reiseautor Andriy Nowrow nach Fuerteventura gesandt, um die kanarische Insel genauer unter die Lupe zu nehmen.

Anreise nach Fuerteventura mit dem Flugzeug

 

Die Reise begann Anfang Februar in Kiew am Flughafen Kiew-Boryspil. Gemeinsam mit einem Freund macht sich Andriy auf den Weg zum Flughafen, eingepackt hat er für eine Woche Aufenthalt nur das Nötigste: sieben Shirts und für jeden Tag frische Unterwäsche, Badesachen und drei Hosen in verschiedenen Längen.

Dass es von Kiew keinen Direktflug gibt, war ihm bewusst, auch dass die Anreise mit einem Zwischenstopp in München beinahe 24 Stunden dauern sollte. Während Deutschland und Großbritannien stündliche Direktflüge anbieten, gibt es aus Kiew keine direkte Verbindung in das Atlantik-Archipel. In München stand ein Aufenthalt von 12 Stunden an, was man in dieser Zeit machen kann, ist wahrlich nicht viel, da der Flughafen etwa 40 Kilometer von der Stadt entfernt ist. Der Massagesessel, ein Six-Pack Paulaner Weißbier und ein Big-Mac-Menü bei McDonalds machten die lange Wartezeit etwas annehmlicher.

Als um kurz vor 9 Uhr morgens der Flieger in Richtung Fuerteventura abhob herrschte Aufbruchsstimmung bei allen Passagieren. Es flogen vor allem ältere Menschen, aber auch Paare mit Kleinkindern.

Nachdem nach circa 30 Minuten, der Kapitän die Flughöhe von annähernd 10.000 Metern erreichte, begannen die fleißigen Stewardessen  die Essen-und Getränketrollies auf und ab zu schieben. „Die bestellten Tapas für über 10 Euro waren mit einer Scheibe Serano Schinken und etwas Käse „dekoriert“ – und waren für meinen Geschmack in zu viel Kunststoff verpackt.“, erinnert sich Andriy. Nach einem kurzen Schläfchen war es dann soweit, die Maschine flog tiefer und tiefer. Er Druckausgleich machte ihm bei diesem Flug besonders zu schaffen, aber als er das kristallklare Wasser mit den weißen Stränden direkt am Flughafen Aeropuerto de Fuerteventura sah, waren alle Strapazen im Handumdrehen vergessen. Nach dem Ausstieg dauerte es nochmals 40 Minuten bis der Koffer auf dem Förderband auftauchte. Erleichtert machte sich Andriy mit seinem Freund auf den zur Autovermietung.

Mietwagen in Fuerteventura Pflicht!

 

Die kanarischen Inseln bestehen aus aktiven und ruhenden Vulkanen, der einzige aktive Vulkan befindet sich auf der Nachbarinsel Lanzarote. Hingegen auf Fuerteventura die Vulkane vor Jahrtausenden erloschen. Pico de la Zarza ist der höchste Berg der Insel und misst über 800 Meter. Die Insel ist 1660 Quadratkilometer groß und ein Mietwagen ist für Menschen, die die Insel entdecken wollen, sehr zu empfehlen. Wer eine Pauschalreise bucht z.B. bei Tui, wird mit dem Shuttlebus vom Flughafen abgeholt und in einem der Ferienressorts bespaßt. Andriy, der etwas sehen wollte, buchte im Vorfeld einen Mietwagen dazu. Nach kurzer Suche und wenigen Fragen an das Flughafenpersonal hatte er den richtigen Stand gefunden und konnte seinen Voucher für das Auto abgeben. Ein 4er Golf sollte es sein, als er freundlich nach einem Upgrade fragte, stimmte die junge Spanierin zu und verwies ihn an einen Kollegen. Der führte in auf den großen Parkplatz vor dem Flughafen auf Fuerteventura. Draußen angekommen fuhr ein weiterer Mitarbeiter einen Renault Kangoo vor, optisch sicherlich kein Upgrade, aber der Wagen bot mit viel Stauraum dennoch eine gute Alternative. Vom Flughafen aus ging es für die beiden 30 Kilometer in den Norden, in die Nähe der Hafen-Stadt Corralejo.

Hotel oder AirBnB auf Fuerteventura buchen?

 

Über AirBnB, dem privaten Unterkunftsportal buchte Andriy vor der Reise ein Haus mit zwei Etagen, einer Küche, einem Pool, 4 Schlafzimmer, zwei Terrassen und einer Barbecue-Ecke für 170 Euro pro Nacht als ihre Unterkunft. Das ergibt einen Preis von 85 Euro pro Kopf ohne Verpflegung. In einem Hotel kommt man auf einen ähnlichen Übernachtungspreis, allerdings ist in diesen Angeboten meist das Frühstück und teils sogar das Abendessen vom Buffet enthalten. Nachdem das Haus inspiziert worden war und die Koffer ausgepackt, machten sich die beiden Freunde auf den Weg in die Innenstadt von Corralejo.

Zu ihrer Verwunderung sprachen die wenigsten Menschen tatsächlich spanisch. Jeder zweite Passant sprach entweder Englisch oder Deutsch. Im Strand-Restaurant Waikiki erfuhren sie kurze Zeit später, dass es nur noch wenige Einheimische auf Fuerteventura gibt, der Kellner schätze den Anteil auf 30%. Die Insel ist zudem inoffiziell in „Deutsch“ und „Britisch“ geteilt, im Süden sind es die Deutschen, die die Stände nutzen und im Norden die Briten. Im Gegensatz zu anderen Urlaubsorten würde Andriy hier nicht auf Ukrainer oder Russen stoßen, das wurde im bereits am ersten Abend bewusst.

Wenige bis keine Sehenswürdigkeiten

 

Fuerteventura entstand vor circa 5 Millionen Jahren, als sich heiße Lavaschichten aufeinandertürmten und die Inselgruppe mitten im atlantischen Ozean aus dem Ozean herauszuragen begann. Neben den traumhaften Stränden und dem glasklaren Ozean sowie seinen wilden Wellen, fehlt es Fuerteventura an Sehenswürdigkeiten. Innerhalb einer Stunde hat man den Vulkan, der eher eine größere Erhebung ist, gesehen, auch die Sanddünen im Nationalpark lassen nicht wirklich Spannung aufkommen. Weil in Fuerteventura der Tourismus erst seit knapp 30 Jahren eingezogen ist, sind die meisten Bauwerke auch erst in dieser Zeit entstanden und bieten nur wenig Sehenswertes. Eine Buggy-Tour am zweiten Tag klang vielversprechend. Für 80 Euro pro Elektro-Buggy, wo jeweils zwei Menschen Platz fanden, konnte man mit einem Local-Guide einen Vulkan erkunden, hieß es zumindest in der Broschüre. Die Tour sollte 2,5 Stunden dauern, der Treffpunkt war um 13:45 Uhr am Checkpoint.

An unterschiedlichen Stränden versuchen Künstler sich ein paar Euro dazuzuverdienen. Dieses Kunstwerk zeigt einen ruhenden Drachen.

 

Pünktlich um viertel vor zwei stand Andriy mit seinem Freund und einer Gruppe Touristen aus Birmingham am vereinbarten Ort. Niemand wollte etwas verpassen, auch weil die Tour einen stolzen Preis forderte.

Nach 20 Minuten Wartezeit traf endlich ein korpulenter Spanier mit langem schwarzen Haar ein, in seinem Schnauzbart verirrten sich Essenreste, vermutlich hatte er beim Mittagessen die Zeit übersehen. Bei 17 Grad Celsius und klarem Himmel könnte das schon einmal passieren, dachte sich Andriy.

Es ging kurz darauf zwei Treppen hinunter in ein Parkhaus, die britischen Touristen machten sich unter einander bereits Gedanken ob die Verspätung des Tour-Führers Auswirkungen auf die Fahrt haben würde. Sollte sie nicht haben. Pünktlich um 15:15 Uhr machte der Guide Feierabend, aber dazu später mehr. Zunächst erfolgte eine halbstündige Anweisung des Guides: Man solle auf der Strecke bleiben und seinen Anweisungen folgen, betonte der Mann ausdrücklich. Irgendwann, dann um 14:45 ging es endlich los und alle bestiegen ihre Fahrzeuge, Andriy fuhr und sein Freund setzte sich hinter seinem Sitz in ein Ein-Mann-Auto.

Über eine kurze Straße erreichte die Gruppe eine Schotterpiste die hoch zum Berg führen sollte. Immer mit dabei fuhr ein Fotograph, der Bilder der Gruppe machte, und anschließend nach der Tour für 20 Euro pro Bild an die Touristen verkaufte. Unsere Reisereporter verzichteten darauf und bemängeln im Nachhinein die Qualität und Auflösung der Bilder: “Es wirkte unprofessionell und wie eine reine Touristenabzocke“, erinnert sich Andriy’s Freund.

Nach 10-minütiger Fahrt auf der Piste machte der Tour-Guide eine Pause, ließ alle aussteigen und bestieg mit den Abenteurern einen 30 Meter hohen Hügel in Sichtweite des eigentlichen Vulkans. Er erzählte in einem 30-minütigen Vortag über die Geschichte von Fuerteventura, der Tierwelt und über die Geographie. Kurz darauf folgte der Höhepunkt der Tour. Kleine Nager, die liebevoll Chipmanks genannt werden und Streifenhörnchen ähnlich sehen, belagerten die Reisegruppe. Fast 50 Stück der kleinen Tierchen versammelten sich und warteten auf Nahrung, die ihnen gewöhnlich zugeworfen wird. Nach einigen Ermahnungen und Erzählungen über die drakonischen Strafen, die auf die Fütterung der Tiere stehen – beendete auch der letzte Tourist seine Bemühung ein Bild mit den Nagern machen zu können.

Wenige Minuten später stiegen alle wieder in ihre Buggys drehten eine Runde am Hügel und fuhren wieder zurück. Niemand wollte es sich ansehen lassen, dass er soeben 80 Euro für eine unnütze Tour ausgegeben hatte.

Coffeeshops und Kiffen auf den Kanaren

 

In Europa ist Amsterdam die Cannabis-Hauptstadt. Kopenhagen hat einen Stadtteil zur Drogenbeschaffung zur Verfüg gestellt und Prag geht auch liberal mit Rauschmitteln um. In den Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder der Ukraine hingegen sind Drogen streng verboten. Gleich am ersten Tag wurde Andriy und seinem Freund auf offener Straße in der Innenstadt von Corralejo Kokain und Cannabis angeboten. Die 35- und 38-jährigen Freunde hatten mit Rauschmitteln in ihrer Jugend schon Bekanntschaft gemacht. So entschlossen sie sich für 60 Euro ein Gramm  Kokain und für 40 Euro geschätzte 4 Gramm Marihuana zu kaufen, alles im Sinne des Reiseberichts natürlich, versichern die Abenteurer. Sie schlenderten weiter am Strand und fanden eine gemütliche Bar mit Live-Fußball. Dort sollten sie auf ein britisches Pärchen stoßen und eine lange Unterhaltung begann. Nach dem vierten Bier kamen die beiden Gruppen zum Thema Drogen und das Pärchen beichtete den beiden, dass sie in Dublin, wo die frisch verliebten herkamen, gelegentlich koksten. Andriy und sein Freund übergaben ihr eben erworbenes Kokain an die beiden Touristen, die für circa 15 Minuten gemeinsam auf der Toilette verschwanden. Nachdem sie wieder draußen waren, sagten sie lediglich: “Shit Koks“ und gaben damit die schlechte Qualität des Pulvers zu verstehen. Nach weiteren zwei Stunden waren unsere Reiseautoren vom Tag geschafft und fuhren mit dem Taxi innerhalb von 15 Minuten heim, der Preis waren genau 5 Euro. Auf der Terrasse machten es sich beide gemütlich und rauchten Joint mit Cannabis. Die Qualität wurde als mittelmäßig eingestuft, aber völlig ausreichend. Auch der Preis war verhältnismäßig gleich gegenüber Westeuropa. Am nächsten Tag suchten die beiden einen Coffeeshop in der Innenstadt auf. Der kleine dunkle Laden war überfüllt mit jungen und älteren Männern. Viele waren Marokkaner, Tunesier und auch aus der dominikanischen Republik. Ihre Freundlichkeit überraschte beide und auch die vielen Cannabis-Sorten, die pro Gramm 5-6 Euro kosteten. Auch hier kauften die Reporter Marihuana für 20 Euro und nahmen es mit. Am Ende machten sie es sich am Strand gemütlich bei einer Gruppe Surfern aus Manchester und rauchten das Gekaufte gemeinsam am Wasser mit den neuen Freunden. Spanien ist ein dezentrales Land, das im Rahmen bestimmter Grenzen jede autonome Gemeinschaft die Rechtsvorschriften in Bezug auf Cannabis selbst festlegen kann. Es geht mit dem Konsum von Cannabis sehr liberal um, es wird in dafür vorgesehenen Shops geduldet, auch Touristen können das grüne Kraut erwerben.

 

Mondlandschaft Fuerteventura – wenige Palmen, viele Kakteen

Die Vegetation auf Fuerteventura ist stark durch Vulkane geprägt.

 

Fuerteventura liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Teile der West-Sahara und ist rund 120 Kilometer westlich der marokkanischen Küste. Wer fruchtbare, grüne Landstriche sucht, wird auf Fuerteventura nicht fündig. Vulkanlandschaft und Wüste bestimmen die Vegetation, in der Mondlandschaft stehen vereinzelt Kakteen, die aus der Ferne einen grünen Schimmer über die Steppe werfen. Die teils 3-5 Meter hohen Wellen sind die Spielwiese für Surfer.

Die Insel hat traumhafte, weiße Sandstrände zu bieten, gut gelaunte Menschen, niedrige Lebenshaltungskosten, aber keine Bäume oder tropischer Vegetation, eben eine Mondlandschaft.